Steuern

In Italien ansässige Personen sind mit allen ihren in- und ausländischen Einkünften unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig. Nicht ansässige Personen unterliegen der Einkommenssteuer beschränkt mit den in Italien erzielten Einkünften.
In Italien ansässig gelten alle Personen, die mindestens 183 Tage eines Jahres im Einwohnermelderegister eingetragen sind, im Staatsgebiet ihren Geschäftsmittelpunkt (domicilio) unterhalten oder ihren Wohnsitz (residenza) gemeldet haben. Die Ansässigkeit wird vermutet, wenn auch nur eine dieser Voraussetzungen gegeben ist.

Zum Gesamteinkommen zählen Einkünfte aus Grundvermögen, Kapitalvermögen, nicht selbstständiger Tätigkeit, selbstständiger Tätigkeit, Unternehmenseinkünfte und sonstige Einkünfte. Die Summe dieser Einkünfte stellt die Steuerbemessungsgrundlage dar. Es können eine Reihe von Sonderausgaben (z.B. Vor- und Fürsorgebeiträge, freiwillige Einzahlungen in Pensionsfonds, usw.) in Abzug gebracht werden.

Die wichtigste direkte Steuer für natürliche Personen ist die Einkommenssteuer Irpef (imposta sul reddito delle persone fisiche). Sie ist progressiv ausgerichtet, d.h. für höhere Einkommensstufen werden unterschiedliche, höhere Steuersätze angewandt.

Steuersätze nach Jahreseinkommen:

Jahreseinkommen Steuersatz
Bis 15.000 Euro 23%
Über 15.000 bis 28.000 Euro 27%
Über 28.000 bis 55.000 Euro 38%
Über 55.000 bis 75.000 Euro 41%
Über 75.000 Euro 43%

Von der Bruttosteuer können Steuerabzüge (z.B. für zu Lasten lebende Familienangehörige, Prämien für Lebens- und Unfallversicherungen, Arztspesen, Wiedergewinnungsarbeiten oder Arbeiten für Energieeinsparungen an Gebäuden, usw.) geltend gemacht werden.
Ein Ehegattensplitting ist vom Gesetz nicht vorgesehen.

Regionen und Gemeinden haben die Möglichkeit, einen Zuschlag auf die Einkommenssteuer (Irpef) einzuheben. In Südtirol beträgt der regionale Zuschlag auf die Einkommenssteuer 1,23%. Einkommen bis zu 28.000 Euro sind davon ausgenommen. Eltern von zu Lasten lebenden Kindern steht bis zu einem Einkommen von 70.000 Euro pro Kind ein Steuerabzug von 252 Euro zu.

Bislang haben nur einzelne, wenige Gemeinden die Möglichkeit in Anspruch genommen, einen kommunalen Zuschlag auf die Einkommenssteuer zu erheben. Die Hebesätze können dabei von Gemeinde zu Gemeinde variieren und auch von der Höhe des Einkommens abhängig gemacht werden. Die Hebesätze liegen derzeit zwischen 0,10% bis 0,80%.

Die Körperschaftssteuer Ires (Imposta sul reddito delle società)

Die Gewinne von Kapitalgesellschaften, Genossenschaften und gewerblich tätigen Körperschaften werden mit Körperschaftssteuer IRES (imposta sul reddito delle società) besteuert, die seit 2017 (von vorher 27,50%) auf 24,00% reduziert worden ist.

Die regionale Wertschöpfungssteuer Irap (Imposta regionale sulle attività produttive)

Die regionale Wertschöpfungssteuer IRAP (Imposta regionale sulle attività produttive) muss für jede gewohnheitsmäßige Ausübung von eigenständig organisierten Tätigkeiten, die auf die Produktion oder den Austausch von Gütern oder Dienstleistungen ausgerichtet ist, entrichtet werden. In der Praxis bedeutet dies, dass alle Gesellschaften und auch die meisten anderen Unternehmensformen der IRAP unterliegen. Von der IRAP ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit begünstigten Steuerregimes (Regime dei minimi oder regimo forfettario) bzw. Kleinunternehmen und Freiberufler ohne eigenständige Struktur, ohne Personaleinsatz oder überhöhtem Einsatz von Betriebsgütern, wobei dies von Fall zu Fall geprüft werden muss.

Die IRAP wird auf die Netto­Wertschöpfung eines Unternehmens berechnet, also auf das erzielte Einkommen zuzüglich der Personalkosten für befristete Arbeitsverhältnisse und der Finanzaufwendungen. Von der Bemessungsgrundlage können die Sozialbeiträge abgezogen werden, zudem sind noch weitere Freibeträge und Pauschalabzüge vorgesehen. In Südtirol gilt ein vergünstigter Steuersatz von 2,68%.

Die Mehrwertsteuer (Imposta sul valore aggiunto – Iva)

Italien, als Teil des europäischen Binnenmarktes, fällt unter die MwSt.-Gesetzgebung der Europäischen Union. Die MwSt.-Richtlinien werden von der Europäischen Union ausgegeben und legen die Prinzipien der MwSt.-Gesetzgebung fest, die von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden müssen.
Steuerschuldner sind in erster Linie alle Unternehmen und Freiberufler, öffentliche und private Körperschaften, sowie Privatpersonen (in einigen Ausnahmefällen).

Der ordentliche MwSt.-Satz ist mit 22% festgelegt und wird grundsätzlich bei Warenverkäufen und der Erbringung von Dienstleistungen angewandt, wobei es zahlreiche Ausnahmen gibt.

Der reduzierte MwSt.-Satz von 10% gilt für Lebensmittel (außer Grundnahrungsmittel), Haushaltsstrom, Trinkwasser, gastgewerblichen Dienstleistungen und Wiedergewinnungsarbeiten auf Wohngebäuden.

Der MwSt.-Satz von 4% wird für Grundnahrungsmittel (z.B. Brot, Reis, Milch, Butter, Käse, Speiseöl, Obst, Gemüse usw.) sowie bei Begünstigungen für den Erwerb oder Erweiterung der Erstwohnung angewandt.

Die MwSt. ist für den Unternehmer grundsätzlich ein Durchlaufposten (steuerlich neutral), da die MwSt. auf die Einkäufe abgezogen werden kann, sofern sich die Einkäufe auf die betriebliche Tätigkeit beziehen.

Die Steuererklärung: Wer muss eine Steuererklärung abgeben? Wer kann bei der Erstellung der Steuererklärung helfen?

In Italien müssen sich alle Bürgerinnen und Bürger proaktiv um Ihre Steuererklärung, Zahlungsfälligkeiten, usw. kümmern. Die italienische Regierung ist seit den letzten Jahren bemüht, den Steuerpflichtigen eine vorab ausgefüllte Steuererklärung (dichiarazione precompilata) zur Verfügung zu stellen, dennoch muss jeder Steuerpflichtige selbst dafür sorgen, dass alle Einkommen zeitgerecht erklärt und die Steuern fristgerecht bezahlt werden.

Für die Erstellung der Steuererklärung kann man sich entweder an die Steuerbeistandszentren (Centro assistenza fiscale, kurz CAF) oder an die Steuerberater, die in den staatlich vorgesehenen Berufsalben eingetragen sind, wenden. Diese können auch Auskunft darüber geben, ob und welche Steuererklärung im Einzelfall eingereicht werden muss.

Steuerliche Vergünstigungen für kluge Köpfe

Mit dem Dekret für die Internationalisierung der Unternehmen (D.Lgs. 147/2015) wurden interessante steuerliche Begünstigungen für hochqualifizierte bzw. leitende Arbeitskräfte geschaffen, die ihren Wohnsitz nach Italien verlegen. Die steuerliche Begünstigung besteht darin, dass das Einkommen aus Angestelltentätigkeit für max. 5 Jahre nur zu 50% der Einkommenssteuer unterliegt, vorausgesetzt, dass der Angestellte in den letzten 5 Jahren seinen Wohnsitz nicht in Italien hatte und diesen für mindestens 2 Jahre in Italien beibehält.

Mit dem staatlichen Haushaltsgesetz 2017 wurde die Neuerung ausgeweitet, so dass die genannte steuerliche Begünstigung auch für Selbständige in Anspruch genommen werden kann. Die Begünstigung bleibt derzeit bis zum Jahr 2020 aufrecht.
Die genauen Voraussetzungen für diese Begünstigung müssen von Fall zu Fall geprüft werden, eine pauschale Anwendung ist nicht zutreffend.

Genaue Informationen zu Steuerrecht und Modalitäten sind auf der Webseite der Agentur für Einnahmen (it/en) zu finden.

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