Innovation

19 Februar 2019IDM

Vom Labor ins Kloster, um die Feuchtigkeit in Wänden zu bekämpfen (und die Höhe der Rechnungen)

Eurac Research und Acco suchen gemeinsam nach einer Lösung, die Gebäude gegen im Mauerwerk aufsteigende Feuchtigkeit isoliert, und damit zum Erhalt historischer Fresken beiträgt. Eine gute Trockenlegung senkt zudem die Heizkosten um 30 Prozent

Wenn Unternehmen und Forschung zusammenarbeiten und ihr gesamtes Know-how einsetzen, um gemeinsam zu innovieren und zu entwickeln, sind die Ergebnisse häufig bemerkenswert. Es geht dabei mit einem Wort um: gegenseitige Befruchtung. Oder auch um das Prozedere, das Forschungseinrichtungen dazu bringt, sich Unternehmen zur Verfügung zu stellen – und umgekehrt, sodass die Region, der Standort wichtige Impulse erhält. Das ist auch in Südtirol seit Jahren immer wieder der Fall. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Projekt, an dem Forscher von Eurac Research und Acco Solutions, ein Bozner Unternehmen, das führend in der Trockenlegung von Gebäudemauern ist, gemeinsam arbeiten.

Wissenschaft und Unternehmen gehen dabei Hand in Hand, um ein neues innovatives System zur Reduzierung der Feuchtigkeit in Mauern verschiedenster Art – solchen aus Ziegelstein, Naturstein oder Beton – zu entwickeln. Dies wäre eine Lösung eines enormen Problems: Denn die aufsteigende Feuchtigkeit in Gebäudemauern bedroht nicht nur Fresken in historischen Gebäuden, lässt Salze ausblühen und die Farbe abblättern, sondern wirkt sich auch auf die Dämmleistung und entsprechend den Energieverbrauch in alten Häusern aus. Um das Phänomen besser zu verstehen, kann man sich einen Schwamm vorstellen, der sich von der Unterseite her mit Flüssigkeit vollsaugt. Die Poren eines Mauerwerks sind ähnlich miteinander vernetzt, sodass die Feuchtigkeit gegen die Schwerkraft nach oben steigt.

Die neue Methode, die nun erprobt wird, wird nicht nur in den Labors des NOI Techpark, sondern auch im Kloster „Monastero delle Serve di Maria“ in Arco im Trentino getestet. „Wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit Eurac Research“, betont Andreas Pichler, Geschäftsführer von Acco Solutions. „Als wir hier in den NOI Techpark gekommen sind, haben wir sofort einen sehr starken Innovationsschub wahrgenommen, und bereits ab den ersten Treffen war klar, dass dies eine Zusammenarbeit sein wird, die bei der Lösung eines weit verbreiteten und schwer zu bewältigenden Problems Früchte tragen und zu Zufriedenheit führen wird.“

Die Tests im Labor

Für das Projekt arbeiten Wirtschaft, Forschung und Schule Seite an Seite. Denn die zwölf Testmauern, die für die Untersuchungen und Tests genutzt werden, wurden von Schülern der Landesberufsschule Schlanders errichtet. Aber woraus besteht das Experiment genau? Die Antwort gibt Alexandra Troi, Expertin für die Sanierung historischer Gebäude und stellvertretende Leiterin des Instituts für Erneuerbare Energie von Eurac Research: „Die Tests werden über Monate hinweg durchgeführt, insbesondere deshalb, da Wasser in der Regel lange Zeit braucht, um im Mauerwerk aufzusteigen. Nun befinden wir uns in der ersten Testphase, in der wir regelmäßig die Wannen, in denen Testmauern stehen, mit Wasser füllen werden, um den Prozess des kapillaren Aufstiegs der Feuchtigkeit zu simulieren. Es ist dieser Prozess, durch welchen Feuchtigkeit aus dem Boden und dem umliegenden Erdreich in die Mauern eindringt.“

Die Aufgabe der Forscher von Eurac Research wird es sein, verschiedene wichtige Werte zu messen bzw. Daten zu ermitteln, die dann mit den im Kloster in Arco gesammelten Daten verglichen werden – wo das Verfahren von Acco, das die in den Mauern kapillar aufsteigende Feuchtigkeit stoppen soll, in der Praxis angewandt wird. Es werden die unterschiedlichsten Messungen durchgeführt: in erster Line das Gewicht, wozu die Mauern mit einer industriellen Präzisionswaage gewogen werden, aber auch Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt im Mauerwerk. Diese werden dank spezieller Sensoren gemessen, die auf verschiedenen Höhen der Mauer angebracht sind. Zudem werden Wärmebilder aufgenommen, die anzeigen, wo die Feuchtigkeit am stärksten ist, und es werden Karten der Feuchteverteilung nach dem Mikrowellenmessverfahren erstellt. 

In der Folge wird bei sechs der Testmauern das elektrokinetische Verfahren „Acco System“ gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit angewandt werden – eine moderne Weiterentwicklung der bekannten Elektro-Osmose. Die restlichen sechs Testmauern dienen als Kontrollgruppe. „Der natürlichen Kapillarkraft, die im Mauerwerk vorhanden ist, wird durch den Einsatz von speziellen Elektroden, die in das Mauerwerk eingesetzt werden, die Wirkkraft der Struktur und der Konzeption der Anlage entgegengesetzt. Das führt dazu, dass die Feuchtigkeit wieder ins Erdreich zurückgedrängt wird", erklärt Pichler und ergänzt: „Es handelt sich dabei um eine Methode, die auch einen energetischen Vorteil mit sich bringt. Feuchtigkeit hat nämlich einen erheblichen Einfluss auf die Wärmedämmung von Gebäuden und kann den Dämmwert sogar auf bis zu sechs bis acht Prozent reduzieren. Durch eine Trockenlegung würden die Heizkosten um fast 30 Prozent sinken.“

Tests im Kloster

Parallel zu den Untersuchungen im Labor werden auch Tests im Kloster „Monastero delle Serve di Maria“ in Arco durchgeführt. In enger Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde des Ministeriums für Kulturgüter und Tourismus wird – nachdem die feuchten Bereiche und die Quellen für die Feuchtigkeit im Mauerwerk identifiziert sind – die Trockenlegung nach dem Verfahren von Acco durchgeführt. Der Prozess der praktischen Umsetzung, bei dem dieselben Ansätze und Technologien angewandt werden, die auch in den Labors des NOI Techpark zum Einsatz kommen, wird von den Forschern von Eurac Research begleitet und dokumentiert, sodass die gesammelten Daten schließlich realistisch verglichen werden können.