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7 August 2018IDM

Saubere Wärme dank Hightech-Turm im Avantgarde-Design

Herzstück und Aushängeschild des Fernwärmesystems in Bozen ist der Fernwärmespeicher Alperia Tower. Die perfekte Symbiose aus innovativer Technik und Design für Südtirols grüne Energiezukunft

Ein 40 m hohes Lichtobjekt leuchtet in der Nacht über Bozen Süd. Es ist der Fernwärmespeicher Alperia Tower, errichtet von einem der wichtigsten Energieunternehmen Südtirols, das aus der Fusion der beiden örtlichen Energielieferanten SEL und AEW entstanden ist. Im Turm werden ca. 5.850 mWasser gespeichert, das mit der Abwärme der Müllverbrennungsanlage Bozen auf bis zu 95°C erhitzt wird, wobei aus Abfällen Wärmeenergie erzeugt wird. Damit sorgt es für eine effiziente Produktion und Verwaltung sicherer und sauberer Wärme für die Stadt. Der volle Speicher kann eine Wärmeenergiemenge von 220 MWh einlagern und anschließend an das Fernwärmenetz abgeben. „Der Alperia Tower bildet damit die perfekte Lösung für den Wärmebedarf der Stadt, der am Morgen und Abend am höchsten ist, während die Müllverbrennungsanlage eine kontinuierliche Produktion garantiert. Dank des Turms wird die Wärme gespeichert und anschließend bei Bedarf genutzt, was gleichzeitig außerordentliche Vorteile für die Verbraucher mit sich bringt“, kommentiert Wolfram Sparber, Vorstandsvorsitzender von Alperia. 

Sichere und saubere Wärme 

Grundlage des Systems bildet die Fernwärme, ein Verfahren, das die Heizwärme- und Warmwasserversorgung der Stadt dank Abwärme aus der Müllverbrennungsanlage und Gas für die Kraft-Wärme-Kopplung garantiert. Bisher handelt es sich dabei um das umweltfreundlichste System der Wärmebereitstellung: es reduziert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen deutlich und vermeidet die Emission von mehreren tausend Tonnen CO2. „Wenn das Fernwärmesystem in Bozen komplettiert ist, können wir Emissionen von 50.000 Tonnen COpro Jahr einsparen, für deren Absorption 4 Millionen Bäume notwendig wären“, bekräftigt Sparber. 

Das Kraftwerk ist seit ca. 30 Jahren in Betrieb und beliefert ca. 15 000 Abnehmer an 250 Anschlusspunkten mit Wärme, darunter 50 Unternehmen. Derzeit wird an einer Erweiterung des Netzes gearbeitet, das nach und nach auch das Stadtzentrum, das Bozener Krankenhaus und den NOI Techpark erreichen soll, den bekannten Südtiroler Innovationspark. Das Krankenhaus wird dabei nicht nur mit Wärme beliefert, sondern im Sommer auch mit kühler Luft. Bei alldem gelten höchste Sicherheitsmaßnahmen: „Dank der Fernwärme können Tausende kleiner Gas- und Ölheizkessel eingespart werden, die häufig mangelhaft gewartet werden. Es werden lediglich zwei oder drei große, sichere und saubere Anlagen genutzt, die weitaus effizienter betrieben werden können“ erläutert Sparber.

Aber wie funktioniert das System genau? Die Müllverbrennungsanlage erzeugt Wärme aus Hausmüllresten. Der durch die Verbrennung erzeugte Dampf betätigt eine Turbine, die Strom erzeugt. Die Restwärme wird an das Fernwärmekraftwerk weitergeleitet. Hier befinden sich Wärmespeicher, Heizkessel und zusätzliche Blockheizkraftwerke, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen und daher vor allem in Momenten mit besonders hoher Nachfrage nützlich sind. Das Kraftwerk gibt die Wärme in Form von heißem Wasser an das Fernwärmenetz ab, das aus einem geschlossenen Kreislauf unterirdischer Rohrleitungen besteht. Das heiße Wasser wird durch das Fernwärmenetz in die Wohnungen geleitet. Hier wird die Energie dank eines Wärmetauschers zum Erhitzen des Warmwassers der häuslichen Heizanlage genutzt. Nachdem es die Wärme abgegeben hat, wird das Wasser durch das Fernwärmenetz zum Kraftwerk zurückgeleitet, um erneut erhitzt zu werden und den Kreislauf von vorne zu beginnen.

Eine Investition von über 8 Millionen Euro

Das Fernwärmekraftwerk Bozen ist jedoch nicht das einzige in Südtirol. Alperia betrieb fünf weitere Kraftwerke dieser Art in Meran, Klausen, Latzfons, Sexten und Schlanders. Letzteres wird von der Fernwärmegesellschaft Silandro Srl betrieben, an der Alperia einen Minderheitsanteil hält. In den Kraftwerken Klausen, Latzfonds, Schlanders und Sexten wird die Wärme aus Biomasse produziert, d.h. Holz aus den Sägewerken und der Forstwirtschaft der Region. Biomasse ist in Bezug auf den CO2-Ausstoß neutral. Beim Verbrennen von Holz entsteht die gleiche Menge an Kohlendioxid, die das Holz während des Wachstums aufgenommen hat. Beim Verfaulen des Holzes im Wald würde die gleiche Menge an CO2freigegeben, bekräftigt man bei Alperia, weshalb sich das Verfahren nicht negativ auf die Bilanz auswirkt. Das Kraftwerk Meran wird hingegen sowohl mit Kraft-Wärme-Kopplung als auch mit Abwärme aus Industrieprozessen betrieben. Dank der hier verwendeten Technologien werden die Kommunen Meran und Algund mit umweltfreundlicher Wärme versorgt, wobei Emissionen von 8.000 Tonnen COvermieden werden können, was der Absorption eines 5 km² großen Waldstücks entspricht. Diese Energie, die andernfalls verloren ginge, kann somit den Familien zur Verfügung gestellt werden. 

Nun soll das System noch weiter ausgebaut werden. 2017 wurden 8,6 Millionen Euro in den Fernwärmebereich investiert, wobei die Schwerpunkte auf der Erweiterung des Netzes in Meran und Bozen lagen, wo der neue Wärmespeicher errichtet wurde. Auch das Design des Towers war ein wichtiges Thema. „Wir haben uns entschlossen, einen Beitrag zum architektonischen Gesamtbild der Stadt zu leisten, und gemeinsam mit der Architektenkammer einen Wettbewerb für seine Errichtung ausgeschrieben. Der Vorschlag des Gewinnerteams bestand darin, den Wärmespeicher mit gelochten und rückseitig beleuchteten Aluminiumplatten zu verkleiden, um ein nicht nur effizientes, sondern auch optisch attraktives Bauwerk für die Stadt zu schaffen. Die Löcher symbolisieren aufsteigende Wasserblasen und unterstreichen damit den funktionalen Zweck der Anlage“, bemerkt Sparber abschließend und erinnert daran, dass der Turm von den Bozener Architekten Valentina Bonato, Dario Cagol und Helmut Niedermayr in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Julia Bornefeld entworfen wurde. Beim Blick über Bozen kann man nun jeden Abend die stimmungsvollen Lichteffekte der 220 farbigen LED-Leuchten im Herzen des Alperia Towers bewundern.