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18 Dezember 2018IDM

Der Bauernbund zu Gast im NOI Techpark: Ein neues „Zuhause“ (auch) für die Südtiroler Landwirtschaft

Technologie und Forschung: So stellt der Wissenschafts- und Technologiepark in Bozen Südtirols Landwirten Know-how und konkrete Hilfe zur Verfügung

Von Obst und Milchprodukten bis hin zu Weinen und zum Sauerkraut. Das sind nur einige der regionalen und nicht-regionalen Produkte, die im Mittelpunkt der Forschungstätigkeiten im  NOI Techpark stehen, der erste Wissenschafts- und Technologiepark, der durch die Natur inspiriert wurde. Denn auch die Landwirtschaft, und im Allgemeinen die gesamte Lebensmittelbranche, setzen immer mehr auf technologischen Fortschritt und Innovation, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die Produktion immer nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Auch aus diesem Grund konzentriert sich der NOI Techpark in Bozen auf Projekte praktisch angewandter Forschung in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen und Kooperativen. Heute, ein Jahr nach seiner Eröffnung, sind es 400 Menschen, die im neuen Techpark arbeiten. Bis 2020 sollen es sogar 500 Menschen sein, die sich hier mit Forschung und Entwicklung neuer, innovativer Produkte beschäftigen. Und zwar in den Büros und Labors, in denen aktuell die Wissenschaftler von Eurac Research, der Freien Universität Bozen, des Fraunhofer Instituts und des Versuchszentrums Laimburg tätig sind. 

Die Strategie, die mit dem NOI Techpark verfolgt wird, ist, „die Unternehmerwelt Südtirols eng mit der Forschung und der Lehre zu vernetzen“, wie Hubert Hofer, Direktor der Abteilung Development des Techparks, der vom Südtiroler Bauernbund geladenen Gruppe erklärte. Vertreter aus allen Sparten der Landwirtschaft waren Mitte Dezember hierhergekommen, um sich über die landwirtschaftlichen Forschungsfelder des neuen Technologieparks zu informieren: Von der Milch, über die Obst- bis hin zur Weinwirtschaft. 

Innovationstreiber mit internationaler Sichtbarkeit

Die Ziele, die man sich mit diesem Technologiepark gesteckt hat, sind ambitioniert: „Wir wollen ein Ort der Spitzenforschung sein, Innovationstreiber mit internationaler Sichtbarkeit werden und Talente aus aller Welt anziehen“, brachte Hubert Hofer die Vision des NOI Techparks auf den Punkt. Die Tätigkeitsbereiche gliedern sich grob in grüne und alpine Technologien, Lebensmitteltechnologie und ICT und Automation. Strukturell bieten die Gebäude nicht nur Räumlichkeiten für Labors und Produktentwicklung oder Bereiche, in denen Leute gemeinsam arbeiten können (sogenannte Coworking Spaces) sondern stellt auch Know-how zur Verfügung: So bieten die Mitarbeiter des Technologieparks auch kleinen und kleinsten Betrieben Beratung und helfen dabei, Informationen für konkrete Fragestellungen zu beschaffen. 

Wie fördert Sauerkraut die Gesundheit?

Hubert Hofer übergab das Wort dann einigen Wissenschaftlern, die den Vertretern der Südtiroler Landwirtschaft ihre Forschungsarbeit vorstellten und einen Einblick in ihre Labors gewährten. Von seiner Tätigkeit im NOI Techpark erzählte zunächst Andrea Polo, der für die Forschungsplattform Micro4Food unter der Leitung von Marco Gobbetti im Bereich der Lebensmittelmikrobiologie arbeitet. Man beschäftigt sich hier beispielsweise mit der Produktion von Backwaren und glutenfreien Lebensmitteln (zum Beispiel aus Leguminosen), mit der Entwicklung von gesundheitsfördernden Milchprodukten oder mit der Fermentation von Obst und Gemüse. So wird gerade mit einem Produzenten aus dem Vinschgau untersucht, welche Prozesse in der Verdauung ablaufen, wenn Sauerkraut gegessen wird. Denn dass Sauerkraut gesund ist, ist zwar allseits bekannt, welche Prozesse dabei im Verdauungstrakt ablaufen und wie diese den Organismus positiv beeinflussen, ist bislang noch nicht wissenschaftlich geklärt. Für diese Untersuchung kommt ein sogenannter „Twin-SHIME“ zum Einsatz, ein durch mehrere hintereinander geschaltete Bioreaktoren simulierter Verdauungstrakt.

Ksenia Morozova arbeitet seit 2014 für die Freie Universität Bozen. Heute ist der Arbeitsplatz der russischen Wissenschaftlerin der NOI Techpark, wo sie unter der Leitung von Matteo Scampicchio im Labor für Lebensmitteltechnologie Forschung betreibt: Dabei wird eng mit der Wirtschaft zusammengearbeitet, beispielsweise mit dem Sennereiverband oder auch mit Dr. Schär. Es geht um Verfahren zur schnellen Gewinnung von Extrakten, zur Qualitätskontrolle und Methoden zur Rückverfolgbarkeit. Besonders stolz ist die Wissenschaftlerin auf spezielle Apparaturen, wie sogenannte „elektronische Zungen“ und „elektronische Nasen“, die für Analysen herangezogen werden können. 

Über primäre Analyse hinaus

Im Labor für Aromen und Metaboliten des Versuchszentrums Laimburg führt Peter Robatscher die Forschergruppe. Nicht nur aus Platzgründen hat man dieses Labor aus dem Versuchszentrum ausgegliedert. „Wir arbeiten eng mit der Uni Bozen zusammen und sollen direkter Ansprechpartner für Unternehmen sein“, erklärt Robatscher die Entscheidung. Im ersten Abschnitt des Labors werden flüchtige Verbindungen durch Gaschromatographie nachgewiesen, im zweiten eruiert man mit Flüssigkeitschromatographie beispielsweise Vitamingehalte und im dritten Bereich befindet sich das präparative Labor, wo Extrakte aus Äpfeln und Weinen hergestellt werden um sie später zu analysieren. „Alles was über die primäre Analyse an Inhaltsstoffen in Lebensmitteln hinausgeht, ist unser Forschungsbereich“, fasste Peter Robatscher zusammen.

Laborküche ab April in Betrieb

Wer aus landwirtschaftlichen Produkten einen Prototyp herstellen oder einer bestimmten Frage im Produktionsprozess nachgehen will oder aber einen Verarbeitungsraum braucht, der ist im NOI Kitchen Lab richtig. Unter der Leitung von Ben Schneider wird die Laborküche ab April 2019 betrieben und kann mitsamt Gerätschaften und – falls gewünscht – Experten angemietet werden. Schneider gab der Gruppe einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten, die sich mit dieser Laborküche für bäuerliche Direktvermarkter oder andere Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte eröffnen. 

„Eurer Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt“

Ein klassischer Pesto besteht aus Basilikum, Knoblauch, Olivenöl, Salz, Pinienkernen und Reibkäse. Abgewandelt werden kann diese Basis aber mit allen möglichen Zutaten. Egon Heiss, Sternekoch aus dem Sarntal und Referent beim ersten Workshop im NOI Kitchen Lab, plaudert sichtlich gerne aus dem Nähkästchen: „Alle weichen Kräuter, von der Petersilie über die Kapuzinerkresse bis hin zu Kerbel oder Gutem Heinrich, eignen sich dafür. Mandeln, Wal- oder Macadamianüsse können ebenso verwendet werden, wie ein gereifter Almkäse. Als Öl sind Rapsöl oder aromatisierte Öle eine mögliche Alternative zum Klassiker Olivenöl. Eurer Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.“ Während er den rund 20 Teilnehmern des Workshops zeigte, wie unterschiedlich die Kräuterpasten allein durch die Art der Verarbeitung (mit dem Messer gehackt, mit dem Thermomixer oder mit dem Vakuummixer verarbeitet) werden, vermittelte er letztendlich viel mehr als nur küchentechnische Kenntnisse und Tricks: Es ging um Warenkunde und die richtige Verpackung, um Haltbarkeit und um die ideale Art und Weise der Konservierung und nicht zuletzt um Preispolitik und Marketing. 

Ganz nebenbei brach er eine Lanze für den NOI Techpark: „Wenn ich künftig ein Problem habe“, sagte der Sternekoch, „werde ich mich an die Experten hier wenden. Denn sie haben all das Fachwissen, das ich mir erst mühsam zusammensuchen muss, egal ob es sich um spezielle Techniken und Geräte handelt, um Etikettierung oder ähnliches.“ Die Idee für den Workshop, der im Rahmen des EFRE-Projekts RuC2OLA abgehalten wurde, stammte von der Abteilung Innovation im Südtiroler Bauernbund. Organisiert wurde er von IDM Südtirol gemeinsam mit der Bauernbund Weiterbildung.