Infrastruktur

26 Juni 2018IDM

A22 wird zur intelligenten Autobahn

Zukunftsmusik auf der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Achse: Warum die Brennerautobahn dazu beiträgt, Europas ehrgeiziges Ziel für eine Vorreiterschaft bei der 5G-Mobilfunktechnologie zu erreichen

In Berlin wurde im Mai der Startschuss für die nächste Ära in der Mobilfunktechnologie gegeben. Und auch auf der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsachse soll nun experimentiert werden, wie 5G, das Akronym für 5th generation, die Mobilität der Zukunft verändern kann. Denn die Brennerautobahn A22 wird Teil des Netzwerks grenzüberschreitender Testkorridore, mit dem Europa seinen Führungsanspruch in der 5G-Technik — unter anderem mit Pilotprojekten wie selbstfahrenden LKWs — umsetzen und ein sicheres Straßenumfeld für die Bürger errichten will. Der Ankündigung des Vorhabens auf dem Digital Day 2018 in Brüssel war eine gemeinsame Bewerbung des Präsidenten der Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino und Südtiroler Landeshauptmanns Arno Kompatscher und des vormaligen italienischen Transportministers Graziano Delrio vorausgegangen. 

5G: Alles ist mit allem vernetzt

Die nächste Generation in der Mobilfunktechnologie verspricht eine exponentielle Steigerung in der Geschwindigkeit und Qualität der Datenübertragung. Dabei soll der neue Standard weit mehr sein als nur eine technische Plattform für Mobilfunkverbindungen. 5G verbindet Maschinen, Autos, Handys und Dinge miteinander. Alles ist mit allem vernetzt, lautet das Ziel von Wissenschaft und Technik. Deshalb bietet der neue Kommunikationsstandard auch bisher ungeahnte Möglichkeiten für ein automatisiertes und vernetztes Fahren. Ziel auf der Pilotstrecke des europäischen 5G-Autobahn-Netzes wird es sein, eine „Car to Car“- und „Car to Infrastructure“-Kommunikation zu ermöglichen. Sprich: Autos können untereinander, aber auch mit der Straßeninfrastruktur Daten austauschen, was etwa automatisiertes Überholen, Einfädeln und Bremsen sowie durchgängige Verkehrswarndienste ermöglicht. 

Die Vision selbstfahrender Autos und Lastkraftwägen und einer High-Tech-Verkehrssicherheit wird aber nicht nur in der grünsten Region Italiens in die Tat umzusetzen versucht. Spanien und Portugal wollen zwei Korridore zwischen Vigo und Porto sowie Evora und Mérida einrichten. Bulgarien, Griechenland und Serbien arbeiten an einer Teststrecke zwischen Thessaloniki, Sofia und Belgrad. Und ähnliche Initiativen gibt es bereits zwischen Frankreich, Deutschland und Luxemburg auf der Teststrecke Luxemburg - Metz - Merzig, zwischen Norwegen, Finnland und Schweden auf den Korridoren E8 und E18 sowie zwischen Belgien und Holland auf der Strecke Rotterdam - Antwerpen - Eindhoven.

Fokus auf Schwerverkehr

Dass auch der Brennerkorridor, den jährlich über 60 Millionen Fahrzeuge passieren, Teil dieses Netzwerks „intelligenter Autobahnen“ wird, liegt aufgrund seiner strategischen Position und Bedeutung für die Verbindung von Nord- und Südeuropa auf der Hand. Das unterstrich auch Ex-Verkehrsminister Delrio in Italiens Bewerbungsschreiben an die EU-Kommission. In Kooperation mit Österreich und Deutschland sowie der Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino soll das Projekt grenzüberschreitend und mit Fokus auf den Schwerverkehr angelegt werden. Damit wird die Brennerstrecke zum Experimentierfeld für neue digitale Technologien. Ihre Nutzer profitieren davon unmittelbar – durch den Zugang zu einem potenten Datennetz sowie einer deutlich erhöhten Verkehrssicherheit.