Infrastruktur

16 Januar 2018IDM

Der BBT wird billiger – und für die ganz Eiligen steht er schon jetzt

2027 soll es soweit sein: Dann mühen sich Züge nicht mehr über den Brenner, sondern schießen mit 250 Stundenkilometern durch den Brennerbasistunnel (BBT), den mit 64 Kilometer längsten Eisenbahntunnel der Welt. Wer nicht so lange warten will, kann den Tunnel schon heute virtuell befahren. Und noch eine zweite gute Nachricht gibt’s: der BBT wird billiger als erwartet.

Von 8,8 Milliarden Euro Baukosten war man bisher ausgegangen, weil nun aber die geologische Situation besser ist als erwartet, wird man bis zur Fertigstellung des BBT wohl mehr als 400 Millionen Euro einsparen. Gelder, die in andere Infrastrukturprojekte fließen und die Mobilität im Alpenraum weiter verbessern können.

Ohnehin wird diese durch die Eröffnung des BBT und der dann auf der gesamten Strecke optimierten Brennerbahnlinie einen ganz neuen Schub erfahren. Anstatt des mühsamen Hinaufkletterns auf den Brenner werden auf der wichtigsten Nord-Süd-Achse Europas Hochgeschwindigkeitszüge mit 250 Stundenkilometern unterwegs sein, die Fahrzeit von Bozen nach München wird nur mehr rund eineinhalb Stunden betragen. Und mit rund 50 Prozent mehr Zügen auf der Strecke als heute kann auch das Gütertransport-Potential nachhaltig gesteigert und damit die Brennerautobahn (und die umliegenden Gebiete) entlastet werden.

Der Brennerbasistunnel als Studienobjekt

Klar ist, dass der längste Eisenbahntunnel der Welt nicht erst interessiert, wenn er einmal fertiggestellt ist. Vielmehr ist er längst zum Studienobjekt für Ingenieure und Geologen in ganz Europa geworden, die sich vor Ort ein Bild von der Organisation einer Megabaustelle, vom Vortreiben des Tunnels, von der geologischen Situation und vom logistischen Aufwand machen können.

Mehr noch: Die Universität Neapel lanciert im März einen neuen Masterstudiengang, in dem es um Geotechnik und Infrastruktur geht. Ausgebildet werden sollen hochspezialisierte Ingenieure im Bereich des geotechnischen Ingenieurswesens, also genau in dem Bereich, der beim Bau des BBT besonders gefragt ist. Kein Wunder also, dass BBT-Gesellschaft und Uni eine Vereinbarung über einen intensiven Austausch abgeschlossen haben und neapolitanische Studenten deshalb in den kommenden Monaten immer wieder auf den BBT-Baustellen zu Gast sein werden, um das Megaprojekt von allen Seiten zu durchleuchten.

Für die Eiligen gibt’s den BBT virtuell

Trotz aller Vorfreude: So manch einer kann es nicht mehr erwarten, bis der Tunnel 2027 in Betrieb genommen wird. Deshalb gibt es den BBT – zumindest virtuell – im BBT-Infopoint in der Franzensfeste schon heute, und zwar im Rahmen einer App, die das Start-up-Unternehmen Realer auf den Weg gebracht hat. Realer gehört zum Kreis hochinnovativer Südtiroler Virtual-Reality-Pioniere, die auch von IDM Südtirol unterstützt werden und die die Möglichkeiten von VR eindrücklich aufzeigen.

Den BBT kann man so mit der VR-Brille auf der Nase erleben, wie er in der Realität nicht erlebbar ist – zunächst aus der Luft, denn los geht’s mit einem virtuellen Flug über die Alpen und einen Einblick in die geologischen Herausforderungen, die beim Vorantreiben des BBT zu meistern sind. Danach taucht man in den Tunnels selbst ab, kann sich die Details der Tunnelbohrmaschine vor Augen führen, die in Wirklichkeit ein 200 Meter langes und neun Meter hohes Monster ist, und auch bei einer Sprengung dabei sein – völlig ungefährdet, versteht sich.

Der Höhepunkt des virtuellen BBT-Erlebnisses ist schließlich eine Reise in die Zukunft, oder anders: eine Reise mit 250 Stundenkilometern durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Nicht Science Fiction also, sondern einfach ein Sprung neun Jahre nach vorn…

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