Innovationen

5 Oktober 2017IDM

CERN Superconductor Hackathon mit Südtiroler Beteiligung

Drei Unternehmen lud das CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung, zu einem Hackathon ein, bei dem nach alternativen Anwendungsfeldern für Supraleiter-Technologie gesucht wurde. Darunter die Südtiroler Firma Microtec, die schließlich siegreich aus dem Wettbewerb hervorging.

Im Juli meldete sich die Europäische Organisation für Kernforschung, kurz CERN, beim Brixner Unternehmen Microtec, das zu den internationalen Technologieführern im Bereich der intelligenten Erkennung der Holzeigenschaften für die Optimierung in der holzverarbeitenden Industrie zählt, aber auch Lösungen zur Messung bestimmter Eigenschaften von Obst und Gemüse anbietet.

CERN, das renommierte Großforschungszentrum mit Sitz in Meyrin im Schweizer Kanton Genf, wollte wissen, ob Microtec Interesse daran habe, sich an einem Projekt zu beteiligen, bei dem alternative Anwendungsbereiche für die Supraleiter-Technologie gefunden werden sollten. Supraleiter (im Englischen Superconductor) sind elektrische Leiter mit besonderen Charakteristika, bei denen bei sehr tiefen Temperaturen der elektrische Widerstand auf null fällt, wodurch dann auch ohne Antrieb elektrischer Strom fließt. Angewandt wird die Supraleiter-Technologie zum Beispiel im medizinischen Bereich bei den Magnetresonanztomografien, in Kernfusionsreaktoren und auch in Teilchenbeschleunigern, so wie jenem des CERN, der der leistungsfähigste Teilchenbeschleuniger der Welt ist.

Microtecs „Problem“: Magnetresonanztechnologie zur Bestimmung des Reifegrads von Avocados

„Natürlich wollten wir uns bei dem CERN-Projekt einbringen“, erzählt Arianna Giudiceandrea, Verkaufsleiterin Fruit Processing bei ‎Microtec. „Und so haben wir unsere Ideen in eine Art ‚Business Plan‘ gefasst und diesen ans CERN geschickt.“ Und damit die Verantwortlichen offenbar überzeugt: Microtec wurde als eines von nur drei Unternehmen zum „CERN Superconductor Hackathon“ eingeladen. Hackathons sind Wettbewerbe, bei denen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes möglichst innovative Lösungen für vorgegebene Probleme gefunden werden sollen; die besten Problemlösungen werden prämiert.

Die CERN-Veranstaltung im Zuge des Projektes „Suche nach Anwendungsfeldern für Supraleiter-Technologie“ fand in der zweiten Septemberhälfte im CERN IdeaSquare statt. Dabei fungierten die drei Unternehmen als „Problemgeber“ – sie waren es, die den am Hackathon teilnehmenden Studenten eine Aufgabe vorgaben, die es zu lösen galt. Microtec wollte wissen, wie die Magnetresonanz genützt werden könnte, um den Reifegrad von Avocados zu erkennen. Um die interne Fruchtqualität mithilfe von nuklearer Magnetresonanz messen zu können, sind starke Magnete erforderlich, die auf Supraleiter-Technologien aufbauen.

„Wir haben großen Wert darauf gelegt, ein Problem vorzugeben, das nicht auf gut Glück erdacht wurde, sondern das aus den tatsächlichen Notwendigkeiten des Marktes erwächst“, sagt Giudiceandrea. „Außerdem wollten wir eine Aufgabe stellen, die mit der heutigen Technik lösbar ist – und nicht erst in Jahrzehnten“, ergänzt Marco Boschetti, F&E-Leiter bei Microtec. Eine Lösung des „Avocado-Problems“ könnte eventuell auch auf andere Früchte und Gemüse ausgeweitet werden. „Diese Technik wäre dann eine hervorragende Ergänzung zu den Systemen, die Microtec bereits im Angebot hat, und durch die die Qualität verschiedener Früchte gemessen werden kann – von Datteln über Mangos und Pfirsiche bis hin zu Melonen“, führt Giudiceandrea aus.

Zwei der von Microtec gecoachten Teams gewinnen Hackathon

Beim zweieinhalb Tage laufenden Hackathon arbeiteten dann Studierende Seite an Seite mit CERN-Wissenschaftlern, externen Forschern und Unternehmensvertretern, darunter Microtecs F&E-Leiter Marco Boschetti und F&E-Projektmanager Andrea Ciresa, in „gemischten“ Teams an der Lösung der Probleme aus verschiedenen Anwendungsfeldern – dabei stets die Verwendung der Supraleiter-Technologie im Auge.

Das Ergebnis: „Wir haben gemeinsam mit den Studenten, die es ja waren, die beim Hackathon im Wettbewerb standen, drei umsetzbare Ideen erarbeitet, zum Teil sind es kurzfristig, zum Teil längerfristig realisierbare. Wobei wir versucht haben, unsere Lösungen möglichst praxisnah auszuarbeiten und deren konkrete Umsetzbarkeit stets im Auge hatten“, so Marco Boschetti, der mit seinem Kollegen Ciresa, drei Studententeams gecoacht hat. Mit Erfolg: Von den insgesamt drei Antworten bzw. möglichen Lösungen für das von Microtec erdachte Problem gewann eines den Hackathon, ein zweites landete auf Platz zwei.

Auch wenn keine der drei Lösungen marktreif ist, „so sind sie dennoch sehr wertvoll – als Assets auf denen wir aufbauen und die wir im Unternehmen weiterentwickeln können“, betont Arianna Giudiceandrea.

Doch nicht nur die wissenschaftlichen Ergebnisse des CERN-Hackathons sind wichtig. „Wir werden die neu entstandenen Kontakte mit renommierten Wissenschaftlern, Universitätsprofessoren, Studenten und den Experten der anderen teilnehmenden Unternehmen pflegen und ausbauen“, erklärt Microtec-F&E-Leiter Marco Marco Boschetti, weist aber auch darauf hin, dass man es bei Microtec gewohnt ist, in der F&E mit externen Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. „Wir kooperieren weltweit und ständig mit Forschungseinrichtungen und Universitäten.“

Supraleiter-Technologie als Innovationssprung für die Frucht verarbeitende Industrie?

Und wie war die Zusammenarbeit mit dem CERN, einem Forschungszentrum mit äußerst klingendem Namen? „Es war eine Ehre und ein Privileg für Microtec, bei dem Hackathon dabei sein zu dürfen“, sagt Arianna Giudiceandrea, Verkaufsleiterin Fruit Processing bei ‎Microtec. Und Microtec-Geschäftsführer Federico Giudiceandrea unterstreicht: „Die Supraleiter-Technologie könnte den nächsten Innovationssprung am Markt für die Frucht verarbeitende Industrie darstellen und neue Möglichkeiten eröffnen, was letztendlich dem Konsumenten zugutekommt.“