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28 März 2018IDM

Innovation im Zivilschutz: Erdbebensichere Türen, Medizinsoftware und ein Schneeschuh, der schwebt

Freies Gelände heißt größere Überlebenschance. Die einfache Gleichung, die bei Erdbeben gilt, kann durch eine ebenso einfache Variable zunichte gemacht werden: durch eine Tür, die sich nicht mehr öffnen lässt. Genau diese Variable nehmen die erdbebensicheren Türen von Lf System aus der Gleichung. In Bozen ist die Leben rettende Innovation mit dem Civil Protect Startup Award ausgezeichnet worden.

2009 wurden die mittelitalienische Stadt L’Aquila und deren Umland von einem heftigen Erdbeben heimgesucht, viele historische Bauten konnten den verheerenden Erdstößen nicht standhalten, unter den Trümmern fanden Dutzende Menschen den Tod. Luca Fallaolita, ein junger Unternehmer aus Avezzano, einer Gemeinde unweit von L’Aquila, wollte diese Tragödie nicht tatenlos hinnehmen, er wollte seine Lehren daraus ziehen und Gebäude – nicht nur in seiner regelmäßig von Erdbeben heimgesuchten Heimat – sicherer machen.

Freier Weg ins Leben

Fallaolitas Interesse galt vor allem den Türen, die oft das einzige Hindernis auf dem Weg nach draußen darstellen. Verformen sich deren Rahmen, lassen sie sich nicht mehr öffnen, der Fluchtweg ist blockiert. Aus Angst davor wurde in den Abruzzen die Losung ausgegeben, Türen möglichst offen stehen zu lassen – doch dafür sind sie eigentlich nicht gemacht. Aus diesem Grund hat der junge Unternehmer mit seiner 2016 gegründeten Firma Lf System Italia eine erdbebensichere Tür entwickelt und patentieren lassen. Sie hat nun den ersten Civil Protect Startup Award gewonnen, jenen Preis, der bei der gleichnamigen Zivilschutz-Messe in Bozen an Jungunternehmer mit bahnbrechenden Ideen im Bereich des Zivil- und Katastrophenschutzes verliehen wird.

Bei der Entwicklung der innovativen, vor allem aber sicheren Tür ging Fallaolita zunächst den Ursachen nach, die Türen im Gefolge heftiger Erdbeben blockieren lassen. Dabei zeigte sich, dass meist der Türrahmen verformt oder zerstört wird, wenn darauf ruhende Mauern durch die Erdstöße kollabieren oder Böden sich heben. Auf dieser Erkenntnis aufbauend, entwickelte Lf System Italia die Quake-Saver-Technologie, die dafür sorgt, dass Türen sich auch im Falle eines Erdbebens öffnen lassen. Verformt sich deren Rahmen, wird die Höhe der Tür vermindert, wodurch sie sich aus dem verformten Rahmen lösen lässt. Die Türen funktionieren dadurch weiterhin, der Weg aus einem einstürzenden Gebäude bleibt frei.

Die Konkurrenten: Medizinsoftware und ein Schneeschuh, der schwebt

Das Leben rettende Konzept der erdbebensicheren Tür hat die Jury des ersten Civil Protect Startup Award überzeugt, auch wenn die Konkurrenz hart war. So landete das Startup-Unternehmen Zulu Medical aus Roncade bei Treviso auf Platz zwei, und zwar mit einer Software, mit denen die Daten, die Rettungsdienste, Sanitäter und Ärzte über einen Patienten sammeln, unkompliziert, vollständig und umgehend verfügbar gemacht werden können. Die Daten können in Echtzeit über eine eigens eingerichtete Webplattform eingesehen werden, sodass Sanitäter vor Ort unterstützt werden können und die Daten zum Zustand des Patienten das Krankenhaus noch vor dem Patienten selbst erreichen.

Auf Platz drei landete schließlich Snowfoot, ein innovativer Schneeschuh eines Startup-Unternehmens aus Riva di Valdobbia (Vercelli). Der patentierte Snowfoot ist nicht nur leichter als Konkurrenzprodukte, sondern ermöglicht auch einen besseren Auftrieb im Schnee, sodass man mit ihm auf dem Schnee schwimmt. So kann sich der Träger besser und schneller im tiefen Schnee bewegen, was vor allem für Bergrettungsaktionen von Vorteil ist.

Hohes Niveau, zufriedene Ausrichter

Zufrieden mit der ersten Auflage des Civil Protect Startup Awards zeigten sich die Ausrichter: Messe Bozen, IDM Südtirol, Brennercom und Plank. Das Niveau, so erklärte etwa Thomas Mur, der Direktor der Messe Bozen, sei überaus hoch gewesen, was zeige, wie stark die Innovation alle Teilbereiche des Zivilschutzes präge. Zufrieden war man auch mit dem erstmals im Rahmen der Civil Protect eingerichteten Startup-Village: Es habe sich, so die Macher, als Bereich bewährt, in dem neue Ideen auf etablierte Unternehmen träfen.

Eine dieser neuen Ideen, eine VR-Applikation zur Lawinenprävention, hat den Wettbewerb mit einer besonderen Anerkennung durch die Jury abgeschlossen. Die VR-Lösung stammt vom Südtiroler Startup-Unternehmen Realer und ermöglicht ein virtuelles Eintauchen in ansonsten mitunter lebensgefährliche Lawinensituationen. „Mit der Simulation von Realer können Freerider und Tourengeher ihr Know-how zur Einschätzung der Lawinensituation gefahrlos testen – ein wichtiger Beitrag zur Vorbeugung“, so Sebastian Mayrgündter, der dem IDM-Ecosystem Sports & Alpine Safety vorsteht. Es seien, so Mayrgündter, nicht zuletzt Entwicklungen wie diese, die zeigten, dass es in Südtirol hochinnovative Unternehmen im Bereich des Zivilschutzes gebe.