Green

25 Juli 2018IDM

Green Mobility: Welchen Turbo braucht das Elektroauto?

Wie kann die E-Mobility in Südtirol und vergleichbaren Regionen gefördert werden? Eine gemeinsame Studie von Eurac, Alperia, Green Mobility und Jaguar Land Rover zeigt: Das Interesse ist groß, doch potenzielle Nutzer hegen noch Zweifel. Oftmals ohne Grund

Alle sprechen davon. Doch wer fährt tatsächlich ein Elektroauto und was braucht es, damit sich die Elektromobilität auf breiterer Basis durchsetzen kann? Eine Frage, die auch in einer Region gestellt wird, die in Sachen Green Mobility die Nase vorne hat – allen voran dank der in Überschüssen vorhandenen sauberen Energie aus Wasserkraft. So findet man in Südtirol bereits heute auf einer verhältnismäßig kleinen Landesfläche ein Netz an 150 Ladestellen, das Marktführer Alperia bis 2021 auf 5000 Stationen ausbauen will. Grün gesinnte Touristen müssen sich also beim Urlaub in oder der Durchfahrt durch Südtirol vor allem künftig keine Sorgen machen. Unter anderem auch weil der Südtiroler Energiedienstleister seit Kurzem Teil des länderübergreifenden Ladenetzwerks Hubject ist, welches derzeit rund 12.000 Ladestationen von mehr als 250 Betreibern in verschiedenen Ländern Europas umfasst, von Deutschland, Österreich und der Schweiz bis hin zu England, Dänemark, Norwegen und Schweden.

Foto: Alperia

Südtiroler Studie in Zusammenarbeit mit Jaguar Land Rover

Doch stehen dem ehrgeizigen Ausbauprojekt überhaupt genügend umweltbewusste Autofahrer gegenüber? In Südtirol selbst wurden in den vergangenen fünf Jahren knapp 600 E-Autos zugelassen. Damit bewegt man sich weiterhin klar in einer Nische, obwohl sich die Zahl der Zulassungen allein von 2016 auf 2017 verdoppelte.  Den lokalen Energieriesen Alperia und seine Partner in Forschung und der Förderung sanfter Mobilität stellten solche rein quantitativen Daten ohnehin nicht zufrieden. In einer gemeinsamen Studie von Eurac ResearchGreen Mobility, Alperia und Jaguar Land Rover wurden Mobilitätsexperten und lokale Stakeholder zur E-Mobility interviewt und eine Fragebogenaktion mit fast 2000 Teilnehmern durchgeführt – unter Einheimischen, Besitzern von Elektroautos, Hoteliers und Touristen. 

Großes Interesse – Zweifel bei Kosten und Laden

Die wichtigsten Ergebnisse der Erhebung? Das Thema Elektromobilität stößt quer durch alle Bevölkerungsschichten auf großes Interesse und wird vielerorts als Mobilität der Zukunft gesehen. Wer schon ein Elektroauto besitzt, ist in der Mehrheit zufrieden mit seiner Wahl. Potentielle Nutzer sind allerdings oft skeptisch, was die Reichweite der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge, die Anzahl der Ladestationen und die Ladegeschwindigkeit betrifft.  Ähnlich wie beim Benzin- oder Dieselauto würden sich Nutzer beispielsweise wünschen, das Auto auch während einer kurzen Cafépause aufladen zu können. 

Mitverantwortlich für das zaghafte Wachstum der emissionsarmen Autos bleiben die hohen Anschaffungskosten. Doch was viele nicht wissen: Da die Wartungskosten deutlich niedriger sind als bei Autos mit Verbrennungsmotor, gleicht sich der höhere Kaufpreis nach mehreren Jahren wieder aus. Rund acht Jahre dauert es laut Experten, wenn pro Jahr 15.000 Kilometer gefahren werden. Mit jedem Kilometer mehr verkürzt sich diese Zeitspanne aber. Erhalten Konsumenten solche Informationen, steigt ihre Bereitschaft zum Kauf eines Elektroautos deutlich, belegten die Forscher in einer Ad-hoc-Umfrage. 

Südtirol: Dichtes Netz an Ladesäulen mit zu 100% grüner Energie

Weitere Bremsen für die Elektromobilität sind laut der Studie die Zweifel in Bezug auf die Entsorgung der Batterien bzw. der Speisung der Ladesäulen aus nicht erneuerbaren Energiequellen. Diesbezüglich können Verbraucher in Südtirol aber genau so beruhigt werden wie hinsichtlich der Gefahr, keine Ladestation zu finden. Denn wer hier sein E-Car auftankt, erhält zu 100 Prozent grüne Energie aus Wasserkraft.