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10 Juli 2018IDM

FACE: Mailänder Fassaden-Lektionen

Exzellenz in Sachen Fassaden streben die Teilnehmer des grenzüberschreitenden Kurses FACE an. Inputs dafür fanden sie in einem der ehrgeizigsten Stadtentwicklungsprojekte Europas

Die Mailänder nennen sie il “dritto”, lo “storto” e “il curvo”, den Geraden, den Krummen und den Buckligen. Spitznamen für drei Wolkenkratzer, die ganz die Vibes der pulsierenden und trendsetzenden lombardischen Hauptstadt wiedergeben. Nicht nur Design und Mode, auch die Architektur feiert sich hier in Mailand. Zum Beispiel auf dem ehemaligen Messegelände, wo die drei Stararchitekten Arata Isozaki, Zaha Hadid und Daniel Libeskind dem neuen Geschäfts- und Wohnviertel CityLife, einem der aktuell ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte Europas auf dem historischen Mailänder Messegelände, einen futuristischen Look verpassen. Moderne Architektur, die aber nicht nur ästhetisch, sondern auch in Sachen Nachhaltigkeit und integrale Planung neue Maßstäbe setzt. Kurzum: Ein ideales Studienobjekt für die Teilnehmer von FACE, 16 Architekten und Ingenieuren aus Italien, Österreich, Schweden, Spanien, Dänemark, Slowenien und Jordanien, die gemeinsam ihr Know-how für technologisch anspruchsvolle Fassadensysteme ausbauen. 

Grenzüberschreitendes Kompetenzzentrum für innovativen Fassadenbau

Ein Südtiroler Stärkefeld, das im Rahmen des Interreg-Italien-Österreich-Projekts FACEcamp grenzüberschreitend erweitert und vernetzt wird. Federführend sind dabei IDM Südtirol, EURAC Research und die Universität Innsbruck, die gemeinsam mit den Südtiroler Unternehmen Frener&Reifer und glassAdvisor sowie den Tiroler Betrieben Bartenbach und Hella am Aufbau eines grenzüberschreitenden Kompetenzzentrums für hochwertigen und innovativen Fassadenbau arbeiten. Ein Vehikel dafür? Der kostenlose Kurs in sechs Modulen, der 2018 bereits in der dritten Auflage veranstaltet wird. 

Im Rahmen der Fassadentour in Mailand hat die Teilnehmer besonders der Turm aus dem Büro Zaha Hadid begeistert, erzählt Kursverantwortlicher Carlo Battisti. Wohl auch, weil der Projektmanager des Generalunternehmens selbst die Besonderheiten des Baus und seiner Fassade präsentiert hat. Assistiert wurde er dabei vom Teilnehmer eines früheren FACE-Kurses. „Ein Beweis, wie förderlich die Teilnahme an FACE für die eigene Karriere sein kann“, meint Battisti. 

Ganz anders, aber dennoch stimulierend war die zweite Etappe der Fassadentour, die zum Torre Galfa führte. Ein weiteres Symbol für die boomende lombardische Stadt mit weit länger zurückliegenden Baujahr: im fernen 1959 war es eines der ersten Hochhäuser der Stadt mit Vorhangfassade. Nun wird der ursprünglich von Beton und eloxiertem Duraluminium charakterisierte Bau in einem aufsehenerregenden Projekt saniert und mit einer komplett neuen Fassade in der höchsten Energieeffizienzklasse A versehen. 

Energieeffizienz bleibt eine große Herausforderung

Komfort, Effizienz, Transparenz – im Torre Galfa wird ein Nachkriegsgebäude an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst. Das gilt auch für die unterschiedlichen Funktionen, die das Hochhaus künftig erfüllen wird: mit einem Hotel in den unteren 12 Stockwerken, privaten Wohnungen oder Gastronomie. „Der Wunsch nach maximaler Transparenz, die bei modernen Gebäude wie diesem gestellt werden, erfordern bautechnisch extrem innovative technologische Lösungen“, sagt Carlo Battisti. So müsse einerseits verhindert werden, dass das einfallende Licht die Räume im Sommer in Glashäuser verwandelt, aber auch, dass in der kalten Jahreszeit zu viel Wärme aus den Gebäuden abströmt. 

Energieeffiezienz bleibt also eine der großen Herausforderungen für den Fassadenbau – und damit auch für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von FACE, die alle bereits in bekannten Architekturbüros oder auf Fassadenbau spezialisierten Unternehmen arbeiten. In Mailand konnte sie ihr professionelles Fassaden-Handwerkszeug auch dank weiterer theoretischer Inputs erweitern. Einblick in die Glas- und Fassadenstatik gab die Bauingenieurin Valentina Ferrari; eine Lektion zu internationalen Normen erhielten die Teilnehmer durch Paolo Rigone, den technischen Direktor des UNICMI und Koordinator der Arbeitsgruppe WG5 Curtain Walling des Technischen Komitees TC 162 der internationalen Organisation für Normung (ISO). 

Nächste Etappe: Innsbruck

Die nächste Einheit des Kurses wird die Fassadenspezialisten im September nach Innsbruck führen, wo die Themen natürliche Beleuchtung und Akustik auf dem Programm stehen. Nach weiteren zwei Treffen im NOI Techpark in Bozen wird die aktuelle FACE-Auflage dann im Dezember mit der Präsentation der Projektarbeiten abgeschlossen, die alle Teilnehmenden zu einem innovativen Fassadenprojekt erstellen.