Innovationen

18 April 2019IDM

Vom Snow-Bike zum Hightech-Schneemesssystem: Alpine Innovation direkt am Berg getestet

Start-ups aus ganz Europa im Schnalstal — auf über 3000 Metern Höhe — für die dritte Ausgabe des Innovation Day on Snow. Ausgewählt wurden die Technologien von den Experten des NOI Techpark

Welches ist der beste Ort, um Produkte zu testen, die die Zukunft der alpinen Technologien prägen werden? Ohne Zweifel das Gebirge. Und welchen eindrucksvolleren Schauplatz gibt es als das Schnalstal, auf mehr als 3.000 Metern Meereshöhe, unweit der Stelle, an der der berühmte „Mann aus dem Eis“ – auch bekannt als „Ötzi" – gefunden worden ist? Hier, mitten in den Alpen, in Kurzras auf dem Grawand-Gletscher, in einer der führenden Regionen im Bereich Alpine Technologies, haben sich die Hauptakteure der Branche getroffen, darunter Experten, Unternehmen und Start-ups, um sich mit dem Thema „alpine Innovation“ auseinanderzusetzen und die innovativsten Produkte der Gegenwart „live“ auf Schnee zu testen: Sieben Lösungen der neuesten Generation aus ganz Europa - von Italien bis Belgien, von Deutschland bis Österreich – waren dabei. Ausgewählt wurden sie von der Unit Tech-Transfer Alpine des NOI Techpark, des Technologieparks in Bozen, der Innovation und Forschung in den Schlüsselbranchen Südtirols fördert, in Zusammenarbeit mit dem Prowinter Startup Village, dem von Messe Bozen initiierten Contest zum Ausfindigmachen von Pionieren im Alpinsektor. Die Start-ups stellten ihre Lösungen vor – vom „leichten" Elektro-Schneefahrzeug mit extremer Beschleunigung bis zum funktionalen Schutz für Sportmasken, vom alpinen Schneeschuh, der „einen sicheren Tritt" in jedem Gelände und in jeder Notsituation gewährleistet, bis zu Drohnen, die schwer zugängliches Gelände monitorieren können, mit Vorteilen für Landwirtschaft und Zivilschutz. Zudem wurden eine Skibrille mit photochromen Gläsern präsentiert, die sich der Lichtintensität anpassen, sowie ein Multi-Risk-Warnsystem. Alle Produkte wurden auf den Skipisten einer ganz speziellen Location getestet. Und es gab noch eine weitere Besonderheit: die Tester. Ausprobiert wurden die Innovationen unter anderem von Riccardo Tonetti, WM-Medaillengewinner der „Azzurri“, des italienischen Ski-Nationalteams.

„Auch in diesem Jahr, für die dritte Ausgabe des Innovation Day on Snow, ist es uns gelungen, dem Sektor der alpinen Technologien einen weiteren Impuls zu geben, indem wir alle wichtigen Akteure der Branche zusammengebracht haben. Dies um die Trends der Zukunft kennenzulernen und uns damit zu befassen, wie die neuen Produkte diesen Trends entgegentreten können“, erklärte Sebastian Mayrgündter, Head of Unit Tech-Transfer Alpine von NOI Techpark. „Eines der großen Themen der kommenden Jahre im Bereich der alpinen Technologien ist die Nachhaltigkeit, aber auch Ausrüstungsgegenstände, die immer smarter und besser auf die Bedürfnisse des einzelnen Anwenders zugeschnitten werden. Es ist dieses ausgeglichene Verhältnis zwischen Gebirge, Menschen und Technik, das im Mittelpunkt unserer Arbeit als Tech-Transfer Alpine steht, und das die Grundlage für alle Arten von Innovationen in den Bergen darstellt. In diesem Sinne ist es unsere Aufgabe, die richtigen Akteure zusammenzubringen, um dieses Ziel umzusetzen.“ Wie Whataventure, die internationale Innovation Consulting Firm , die – seit Kurzem – auch einen Sitz in Bozen hat, in einem einführenden Überblick zur Welt der alpinen Innovation herausgehoben hat, werden die Themen Augmented Reality, Slope Analytics (der Einsatz von Sensoren zum Analysieren der Pisten), Online-Plattformen für Dienstleistungen für Verbraucher – etwa zum Buchen von Skilehrern oder zum Ausleihen von Ausrüstung – und alternative Formen des Vergnügens im Schnee, neben Skiern und Snowboards, immer wichtiger. 

Den Anforderungen des zukünftigen Marktes entsprechen zu können. Das war auch das Ziel der Start-ups, die der Reihe nach die „Bühne“ erklommen. Jeweils zehn Minuten Zeit standen zur Verfügung, um das eigene Produkt einem Pool von Experten und Unternehmen vorzustellen. Unmittelbar danach folgte die „Feuerprobe“. Direkt auf Eis. „Als Spitzensportler bin ich sehr gespannt, zu sehen, was es im Bereich Wintersport Neues und Innovatives gibt, in welche Richtung sich der Markt bewegt und was wir uns für die Zukunft erwarten können", sagte „Azzurro“ Riccardo Tonetti kurz bevor er mit den Produkttests auf Schnee begonnen hat. „Wir von terraXcube sind ebenfalls dabei. Denn wir sind immer auf der Suche nach Kooperationen mit innovativen Unternehmen, die Interesse daran haben, ihre Produkte in unseren Klimakammern zu testen. Diese sind in der Lage, extreme Klimabedingungen zu simulieren – bis zu einer Höhe von 9.000 Metern über dem Meeresspiegel und damit bis zum Gipfel des Everest", sagte Nicole Spagna vom Team von terraXcube, dem Labor von Eurac Research im NOI Techpark. Teilgenommen haben auch Forscher der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freien Universität Bozen, und zwar um konkrete Inputs vom Markt und den Verbrauchern zu erhalten und um mögliche Kooperationen mit der Wirtschaft einzuleiten. Denn auch Unternehmen waren bei dem Innovation Summit im Gebirge vertreten, darunter hochkarätige lokale Akteure wie Oberalp – eine Gruppe mit Hauptsitz in Bozen, zu der u.a. Marken wie Salewa und Dynafit gehören – und Pro-Motus, eine Gesellschaft, die in den Bereichen Training, Sportmedizin, Rehabilitation und funktionelle Leistungsbeurteilung im sportärztlichen Bereich tätig ist, mit einem starken Fokus auf angewandte Forschung. Um sich über Erfahrungen in verschiedenen Bereichen auszutauschen und gemeinsam Strategien zur Innovationsförderung zu entwickeln sowie Know-how zu bündeln, fand im Anschluss an die Tests ein Workshop mit allen Teilnehmern statt, der vom Netzwerk SINN (Sport-Innovations-Network) mit Sitz in München organisiert worden war, um die Akteure zu neuen Ansätzen zu inspirieren und den Start-ups ein Mentoring anzubieten.

Die Start-ups

Dies sind die Start-ups, die am Innovation Day on Snow teilgenommen und dazu beigetragen haben, die Zukunft der alpinen Technologien im Schnalstal und darüber hinaus zu gestalten: Bobsla aus Österreich, ein Start-up, das ein elektrisches Schneefahrzeug mit reduziertem Gewicht und extremer Beschleunigung entwickelt hat – perfekt, um im Schnee Spaß zu haben, und geschätzt von denen, die bereits die Möglichkeit hatten, es zu testen; Soggle aus Deutschland, Erfinder eines kreativen und funktionellen Schutzes für Sportmasken; Xvision aus Belgien mit einer maßgeschneiderten Skibrille, die mit photochromen Gläsern, die sich der Lichtintensität anpassen, beste Sicht bei allen Wetterbedingungen garantiert. Dazu kamen einige italienische Start-ups: Snowfoot, Entwickler des alpinen Schneeschuhs, der in jeder Notsituation auf Schnee „einen sicheren Tritt” gewährleisten kann; Snowbike, das mit Ski adaptierte Fahrrad für Abfahrten im Gebirge; Alto Drones, eine Firma, die photogrammetrische Luftbildmessungen für kundenspezifische Anwendungen in technischen Bereichen entwickelt – von der Landwirtschaft bis zum Katastrophenschutz; und Yetipi, Ideator von fortschrittlichen Überwachungs- und Multi-Risik-Warnsystemen, wie etwa hochpräziser Schneemessung. Die zwei letztgenannten Start-ups sind im NOI Techpark in Bozen inkubiert worden.

Der Innovation Day on Snow wurde vom NOI Techpark in Zusammenarbeit mit der Fachmesse Prowinter, der Schnalstaler Gletscherbahnen AG und dem italienischen Wintersportverband FISI organisiert.