Talente

4 Mai 2018IDM

Von Düsseldorf nach Castellaneta, in Apulien, von Jesi nach Meran

Marino Casucci hat eine bemerkenswerte Reise hinter sich, von Kontinent zu Kontinent. Nur kurz verweilte er an den vielen verschiedenen Orten, aber immer lange genug, um interessanten Menschen zu begegnen und deren Sprachen zu erlernen – fünf spricht er mittlerweile. Nun ist Marino angekommen, in Meran in Südtirol.

Seit 2003 lebt Marino Casucci in Meran in Südtirol mit seiner Familie. Er ist CEO von Intergic, einer Consulting Firma im Bereich digitales Marketing und E-Commerce Software. Es scheint, als hätten ihn die interessanten Menschen auf seiner Reise bis nach Südtirol begleitet: Zu seinem Freundeskreis gehören italienische und deutsche Muttersprachler genauso wie Personen aus anderen Ländern, darunter aus Spanien, den Niederlande, den Vereinigten Staaten und Israel.

Wir wollen heute von Marino wissen, warum es gerade dieses kleine Fleckchen Erde ist, das ihn erdet und treffen ihn an einem seiner liebsten Plätze: Die Tappeiner Promenade ist ein idyllischer Spazierweg über Meran. Hier powert sich Marino beim Joggen aus.

Unser Gespräch beginnt mit einer Anekdote: „Ich erinnere mich an die ersten Personen, die ich in Meran kennenlernte - ein „internationales“ Paar: sie eine New Yorkerin mit chinesischem Vater, er wuchs in Mailand auf, lebte aber viele Jahre in Amsterdam und Berlin. Es war bei einem Kindergeburtstag“ erzählt Marino weiter, „und der ständige Sprachenwechsel, selbst dort, in diesem Ambiente, hat mich sehr beeindruckt. Ich sprach mit meinen Kindern Italienisch, sie unterhielten sich während des Spielens mit den anderen Kindern auf Deutsch. Mit dem neuen Paar sprach man Englisch und gleichzeitig wechselte man vom Italienischen ins Deutsche. Ich fühlte mich wie im Mittelpunkt der Welt.“

Und – kaum zu glauben, aber wahr – dort befindet er sich auch: nimmt man einen Zirkel und sticht die Nadel in Südtirol ein, umfasst der gezogene Kreis ganz Europa: Südtirol liegt genau im geografischen Zentrum des Kontinents.

Marino hat sich bewusst dafür entschieden, in Meran zu leben. Denn er suchte einen guten Platz, um seine Kinder groß zu ziehen. Seine Arbeit kann er von überall auf der Welt aus erledigen; er wünschte sich ein Zuhause, eine Stadt als Wohnort, in der die Lebensqualität an erster Stelle steht.

„Über die Arbeit habe ich jemanden aus Brixen kennengelernt und jedes Mal, wenn ich durch Südtirol fuhr, war ich überwältigt:  Südtirols Natur, der Lebensstil, auch die Dienstleistungen, die hier im Gegensatz zu andernorts angeboten werden. 

Damals war auch genau der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel. „Ich habe zwei Kinder, das ältere war damals drei Jahre alt, meine Frau hatte gerade ihren Abschluss in Mathematik gemacht und wollte unterrichten.“ „Außerdem“, fährt Marino fort „gab es noch einen anderen wesentlichen Aspekt: ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen und spreche sowohl fließend Italienisch als auch Deutsch. Dieser Punkt ist ein entscheidender Faktor für meinen beruflichen Erfolg. Diese Chance wollte ich auch meinen Kindern bieten.“ 

Intergic bietet eine Art Brücke zwischen IT-Lösungen, die vorrangig von deutschen Unternehmen angeboten werden und der Nachfrage auf dem italienischen Markt. Mit zwei Geschäftsstellen in Meran und Mailand wählen die Mitarbeiter von Intergic sorgfältig die besten Technologien in Europa und der ganzen Welt aus und passen sie dann den Anforderungen und Entwicklungen des nationalen Marktes an. Intergic hilft technischen Marktführern nicht nur strategisch in andere Märkte vorzudringen, sondern begleitet auch vertikale und avantgardistische Technologien um die Geschäfte seiner Kunden zu optimieren und zu vereinfachen.

Für Marino ist es im Leben auch wichtig, dass Arbeit und Freizeit im Gleichgewicht sind. Er hat viele Hobbys. An erster Stelle stehen seine Freunde. Aber genauso liebt er es zu joggen oder durch die üppigen Südtiroler Wälder zu spazieren. Und er trainiert Kinder in einem für Südtirol ungewöhnlichen Sport: Rugby!

„Ich habe vorher noch nie Rugby gespielt. Aber als hierhergekommen bin, habe ich über einen Freund einen ehemaligen professionellen Rugbyspieler kennen gelernt. Ich habe mich sofort entschieden, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen: Er wollte eine Rugby-Kindermannschaft aufbauen. Nach der Teilnahme an einem kurzen Trainingskurs habe ich damit begonnen, Kinder unter acht Jahren zu trainieren. Es ist schön zu sehen, wie eine sportliche Bewegung von Grund auf entsteht (bis zum Jahr davor wurde in Meran kein Rugby gespielt) und an jedem Aspekt ihrer Entwicklung beteiligt zu sein. Ich trainiere, helfe bei der Organisation des Clubs und kümmere mich auch um die Suche neuer Sponsoren.“

Auf die Frage „Beschreibe dein Leben in Südtirol mit einem Adjektiv“, antwortet er: “Unbeschwert.“

Dann führt er weiter aus: „Es ist natürlich nicht so, dass mein Leben komplett sorgenfrei wäre. Auch ich habe meine Sorgen als Elternteil und Berufstätiger. Allerdings hilft mir das Leben hier in Meran den Dingen mit größerer Leichtigkeit und Sorglosigkeit entgegenzutreten.“

Wir haben schließlich das Thema des ersten Eindrucks vertieft. Über die Dinge, die er hier mehr schätzt und die auffallendsten Veränderungen in seinem Leben? „Ich würde hier drei wesentliche Dinge nennen. Erstens wird das Leben hier stärker von den Jahreszeiten bestimmt. Der Einfluss von Natur und Wetter spielt hier eine wichtigere Rolle als in einer Großstadt: das betrifft das Essen, wie du deine Tage verbringst. Zweitens die Art und Weise von einem Ort zum anderen zu gelangen. Hier kann ich alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Ich habe auch ein altes Motorrad aber ich benutze es eigentlich gar nicht mehr, weil ich es hier nicht brauche. Drittens das Wetter.“

Zu guter Letzt haben wir Marino nach seiner Lebensmaxime gefragt, dem Leitsatz nach dem er jeden Tag seines Lebens ausrichtet. Er hat geantwortet: „ Wenn du immer nur das machst, was du schon kannst, wirst du dich niemals verbessern...“