Infrastruktur

16 August 2017IDM

Die Zukunft läuft auf Schienen

Südtirols Nahverkehr wird immer grüner. Die neuen elektrischen Züge auf Südtirols Schienen sind schnell, pünktlich und haben Design-Sitzbezüge aus Loden. In Zukunft werden sie auf der vielbefahrenen Strecke Bozen – Meran alle 15 Minuten verkehren – eine urbane Schnellbahn mitten in den Bergen.

Innerhalb der nächsten drei Jahre soll es so weit sein: Zwischen Bozen und Meran werden Züge im 15-Minuten-Takt verkehren. Südtirol arbeitet an einer S-Bahn im Grünen, die Ausblicke auf die Bergkulisse gewährt und mit Schnelligkeit und Pünktlichkeit überzeugen soll. Die hochmodernen elektrischen FLIRT-Züge, die bereits heute auf Südtirols Bahnnetz unterwegs sind, dienen mit ihrem geschmackvollen Design als Botschafter für Südtirols nachhaltiges Mobilitätskonzept. Sie sind das Vorzeigeprojekt einer Politik, die die alternative Mobilität im alpinen Raum fördert.

Nach dem Ankauf der neuesten Züge durch die beiden Provinzen Bozen und Trient zählt die elektrisch betriebene Flotte auf regionaler Ebene nun seit Kurzem 20 Züge. Diese sind Teil der Strategie Südtirols und seiner Nachbarprovinz, immer mehr auf grüne Mobilität zu setzen. So soll auch die hohe Qualität im Nahverkehr – schon heute sind in Südtirol 95 Prozent aller Züge pünktlich – weiter gesteigert werden. Dafür wird einerseits in die Infrastruktur investiert, gleichzeitig aber auch die Einbindung des Autobus- und des Fahrradverkehrs berücksichtigt. Angestrebt wird für die neuen Züge ein Fahrplan, der dem Takt einer urbanen S-Bahn entspricht, den vielen Pendlern gerecht wird und einen Großteil des Verkehrs auf die Schienen verlagert. Auf diese Weise will man in Südtirol die Umwelt genauso schützen wie die Lebensqualität der Einwohner – auch jener Südtiroler, die abseits der Städte und Ballungszentren wohnen und auf gute Verkehrsanbindungen besonders angewiesen sind.

Hohe Qualität, Pünktlichkeit und feuerfester Lodenstoff

Die Übergabe der neuen E-Züge erfolgte in Anwesenheit des Südtiroler Landeshauptmanns Arno Kompatscher und seines Amtskollegen aus Trient, Ugo Rossi. Die Provinz Bozen stellte für die neuen FLIRT-Züge, die insgesamt rund 63,4 Millionen Euro kosten, 47,8 Millionen Euro bereit. „Um die Nutzung des Verkehrsmittels Zug zu fördern, müssen wir den Bürgern einen Qualitätsdienst zur Verfügung stellen“, meinte Kompatscher. Rossi unterstrich die große Bedeutung der „grünen“ Verkehrsoffensive für die Euregio, also die Makroregion, die Südtirol, das Trentino und Tirol umfasst – auch angesichts der vielen Studenten, die den Zug als grenzübergreifendes Verkehrsmittel nutzen.

Gebaut hat die neuen Züge das Schweizer Unternehmen Stadler Rail. Das Besondere: Die Sitze sind mit feuersicherem Loden überzogen, den die traditionsreiche Tuchfabrik Moessmer aus Bruneck herstellte. Der Geschäftsführer des 1894 gegründeten Textilunternehmens, Walter Niedermair, erklärte: „Dies ist der erste in Europa produzierte feuerfeste Loden, er wurde eigens für diesen Zweck entwickelt.“ Dafür arbeiteten die Produktmanager der Tuchfabrik aus dem Pustertal eng mit internationalen Spezialisten zusammen. Das Ergebnis: „Der Loden besteht zu 100 Prozent aus Wolle und ist dabei nicht zu warm, sondern sehr angenehm – und noch dazu feuerfest und elegant“, so Niedermair.

Die Landesregierungen von Bozen und Trient sowie die italienischen Staatsbahnen Trenitalia haben insgesamt rund 140 Millionen Euro investiert: 134 in die Züge und sechs Millionen in die Infrastruktur und Instandhaltungsarbeiten. Die nächsten Maßnahmen betreffen die Bahnlinie Meran – Bozen: In drei Jahren, so der Plan, soll der 15-Minuten-Takt auf dieser Strecke eingeführt werden. „Die hohe Qualität der Zugdienste in Südtirol ist ein Verdienst der Verantwortlichen, die in nachhaltige Mobilität investieren, aber auch der Bürger, die diese Dienste nutzen“, sagte Orazio Iacono, Direktor der regionalen Personentransportdienste bei Trenitalia. Iacono unterstrich nochmals den Pünktlichkeitswert von 95 Prozent, mit dem die regionale Bahn europaweit im Spitzenfeld liegt. Er kündigte außerdem an, dass man demnächst einen Dienst fürs Smartphone anbieten könne, der Fahrgäste in Echtzeit darüber informiert, ob ihr Zug pünktlich kommt.

Zug, Fahrrad und Skier

Als besonders fahrradfreundliches Land bietet Südtirol im Sommer, wenn viele Einheimische und Touristen die Berge und Täler erkunden, zusätzliche Züge mit Platz für Fahrräder und Spezialtickets für den günstigen Fahrradtransport sowie Radverleihe direkt an den Bahnhöfen. So soll der Nahverkehr mit dem Fahrrad in Kombination mit Bahn und Bus gefördert werden.

Für die Innovation auf Schienen gibt es in Südtirol bereits einige Beispiele. Fährt man zum Beispiel mit der Pustertalbahn, ist es möglich, mit den Skiern unter dem Arm in den Zug zu steigen und direkt an den Talstationen verschiedener Skigebiete auszusteigen. Zudem können Skifahrer und andere Passagiere während der Fahrt mit der Pustertalbahn die umliegende Landschaft nicht nur aus dem Fenster, sondern per App auch aus der Vogelperspektive in 3D betrachten. So läuft die Zukunft auf Schienen.