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6 Juli 2018IDM

Wasserkraft: Geballtes internationales Know-how im NOI Techpark

In Sachen Wasserkraft ist Südtirol an mehreren Fronten ganz vorne dran. Nicht ohne Grund hat sich hier ein Branchentreff zum Thema „Inspektion und Instandhaltung“ etabliert, bei dem sich in diesem Jahr alles um Staumauern drehte

Sprühende Wasserfälle, frische Alpenbäche, reißende Flüsse: Die Ressource Wasser trägt nicht nur maßgeblich zur landschaftlichen Schönheit der Alpenregion Südtirol bei. Sie ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Seit dem späten 19. Jahrhundert ist die Wasserkraft das Rückgrat der Südtiroler Energieversorgung. Mit 29 Großkraftwerken, knapp 1000 kleinen und mittleren Anlagenund einer Produktion von weit mehr als 6000 Gigawattstunden im Jahr kann die Green Region ihren Bedarf an elektrischer Energie vollständig aus der erneuerbaren Quelle decken, um ihn in den Sommermonaten auch weit zu übertreffen. Das Know-how, das sich aus der langen Erfahrung mit dem „Weißen Gold“ entwickelt hat, macht Südtirol zu einem Kompetenzzentrum für Wasserkraft im Alpenraum und einem begehrten Treffpunkt von internationalen Experten in diesem Bereich. 

Internationale Zusammenarbeit im Zeichen der Sicherheit  

Als fixer Branchetreff etabliert hat sich seit einigen Jahren eine Plattform zum Erfahrungstausch rund um die Themen Inspektion und Instandhaltung der Wasserkraft-Anlagen. Auch in diesem Jahr trafen sich im NOI Techpark in Bozen Wasserkraftbetreiber aus Italien und dem deutschsprachigen Raum sowie spezialisierte Unternehmen und Vertreter von Universitäten und öffentlichen Verwaltungen, um sich über gemeinsame Herausforderungen und Lösungsansätze im Bereich von Staudämmen auszutauschen.

Besonders gefordert werden die Betreiber vom Materialverschleiß der meist aus Sichtbeton gebauten Dämme, die nicht nur in Italien vielfach in die Jahre gekommen sind. Um effiziente und nachhaltige Instandhaltungsmethoden zu finden, mit denen die Sicherheit der Anlagen weiterhin gewährleistet ist, braucht es die internationale Zusammenarbeit, unterstrich Sebastian Mayrgündter, Koordinator des IDM Ecosystem Sports & Alpine Safety. Die wurde im Laufe des Treffens durch den Austausch von Daten, Reglements und wissenschaftlichen Analysen bezüglich der Inspektion und Instandhaltung von Beton-Staudämmen praktiziert. Über die italienische Realität sprach Angelica Catalano von der Generaldirektion für Staudämme und hydroelektrische Infrastrukturen; aus Deutschland angereist waren Hans-Ulrich Sieber und Andreas Biberstein vom Deutschen Talsperrenkomitee (DTK), aus der Schweiz Philippe Lazaro vom Schweizer Talsperrenkomitee und Österreich wurden von Konrad Bergmeister von der Universität für Bodenkulturin Wien vertreten.

Kompetenzregion zur Instandhaltung von Wasserkraftanlagen

Besonders fruchtbar waren aber konkrete Lösungsansätze, wie dem Risiko der Erosion oder gar eines Dammbruches vorgebeugt werden kann: von einem Entwässerungssystem, mit dem beim Staudamm von Salto einem Unterdruck entgegengewirkt wird, Unterwasserarbeiten im schweizerischen Punt dal Gall, wo ein Taucherteam ein Entleeren des Staubeckens verhindern konnte, bis hin zur neuen Spitallamm-Staumauer am Schweizer Grimmelsee, wo unmittelbar vor der alten Mauer eine doppelt gekrümmte Bogenstaumauer erstellt wurde, oder den Staudamm-Sanierungsarbeiten von Alperia Greenpower. 

Der Marktführer unter Südtirols Energieerzeugern ist auch einer der Mit-Organisatoren des jährlichen Expertentreffs, der unter Ägide der Arbeitsgruppe HYDRO+ von IDM Ecosystem Sports & Alpine Safety in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen stattfindet. Teil der Arbeitsgruppe sind neben Alperia weitere im Wasserkraftsektor spezialisierte Unternehmen: der Risiko-Management-Spezialist Hydro Safety GmbH, der Experte für Wasserhochdruckstrahltechnik, IdroserviceItalia GmbH, und die Teso GmbH, die mit ihren seiltechnischen Lösungen Arbeiten an exponierten Dämmen erlaubt. Das gemeinsame Ziel der unterschiedlichen Player? Südtirol als Kompetenzregion zur Instandhaltung von Wasserkraftanlagen zu positionieren.