Innovationen

12 Oktober 2017IDM

Unternehmen, Start-ups und Universität, alle unter einem Dach: in Bruneck entsteht ein Kompetenzzentrum für den Automotive-Sektor

Im Pustertal soll 2021 ein «Spin-off» des NOI Techparks Bozen seine Tore öffnen. Zwanzig Millionen Euro investiert die Provinz in das Projekt.

Noch gibt es den Noi Techpark Bruneck nur auf dem Papier, aber schon jetzt ist er ein zentraler Baustein in Südtirols Strategie für wirtschaftliche Entwicklung. Das neue Kompetenzzentrum für Fahrzeug- und Motorentechnik soll bis 2021 auf dem Areal des Busbahnhofs Bruneck entstehen, mitten im Herzen des Pustertals, welches schon heute als das “Motor Valley” Südtirols gilt. Die Region an der Grenze zu Österreich, umgeben von imposanten Wäldern und Bergen, hat nämlich seit Langem schon mehr zu bieten als nur Tourismus und traditionelles Handwerk und setzt nun — gemeinsam mit der Provinz — gezielt auf den Automotive-Sektor. Eine Branche, in der digitale und umweltfreundliche Technologien, sowie Automatisierung immer mehr an Wichtigkeit gewinnen.

Techpark Bruneck: «Ein zentraler Teil des NOI»

Aber das Automotive-Kompetenzzentrum in Bruneck wird keine isolierte Einrichtung sein, sondern ein zentraler Bestandteil des NOI Techpark-Systems, welches in der Provinzhauptstadt auf dem Ex-Alumix Gelände — hier öffnet im Oktober der NOI Techpark Bozen seine Tore — bereits Gestalt annimmt. «Den NOI Techpark muss man als ein Ganzes betrachten, als ein einziges, wie ein Netzwerk funktionierendes System — so Landeshauptmann Arno Kompatscher am vergangenen 21. September bei der offiziellen Vorstellung des Projekts in Bruneck —. Denn nur so können die wichtigsten Akteure für wirtschaftliches Wachstum und Innovation in der Provinz, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universität, gemeinsam wachsen und sich weiterentwickeln». Begleitet wurde Kompatscher an diesem Tag von Ulrich Stofner, Direktor der Business Location Südtirol und Verantwortlicher für den Bau des Techparks, Hansi Pichler, Präsident der IDM, welche die Leitung des NOI übernehmen wird, so wie von Brunecks Bürgermeister, Roland Griessmair.

Alle unter einem Dach: Unternehmen, Start-ups, Universität und Bürger

Der NOI Techpark in Bruneck mit dem Schwerpunkt Fahrzeug- und Motorentechnik — welcher eng mit dem Technologiepark in Bozen zusammenarbeiten wird— soll unter einem Dach das Know-how des Landes rund um den Automotive-Sektor bündeln, von Unternehmen der Branche und Forschungseinrichtungen bis hin zu Universität und öffentlichen Einrichtungen. Der Lageplan wurde von der BLS ausgearbeitet, dabei soll das entstehende Kompetenzzentrum ein gemeinschaftlicher Raum für Südtirols wirtschaftliches Ökosystem werden. «Eine Ausstellungsfläche soll als eine Art Erlebniswelt die Exzellenz der Südtiroler Automotive-Branche widerspiegeln. Der geplante Veranstaltungsbereich soll nicht nur den Unternehmen zur Verfügung stehen, sondern auch der Gemeinde Bruneck. Für die Universität Bozen wird es Räumlichkeiten für die duale Ausbildung im Maschinenbau geben sowie für den Lehrgang für Tourismusmanagement und Sport- und Eventmanagement. Dazu kommen noch eine Reihe von Labors, die Services rund um den Automotive-Sektor anbieten» erklärte BLS-Direktor Ulrich Stofner. Ergänzt wird der Komplex durch Büroräumlichkeiten, darunter auch Co-Working-Spaces und Büros für Gründer. Die privaten Unternehmen werden die Gebäudestruktur mit ihrem internationalen Netzwerk von Firmen und Kunden mitbenutzen.

20 Millionen Euro für Innovation auf fast 10.000 Quadratmetern

Insgesamt soll der Gebäudekomplex 40.000 Kubikmeter umfassen und sich auf einer Fläche von 9.500 Quadratmetern erstrecken. Als erstes, so Stofner, werden wir nun mit der Ausschreibung eines Ideenwettbewerbs beginnen. Spätestens im Frühjahr 2018 sollte das Projekt vorliegen. Die Detailplanung des Baus wird dann voraussichtlich ein weiteres Jahr in Anspruch nehmen bevor dann schließlich die Bauarbeiten beginnen können. Spätestens 2021 soll der Techpark in Bruneck seine Tore öffnen. Dank des europäischen Fonds für Entwicklung und Kohäsion ist auch die Finanzierung des Projekts gesichert: erst vor Kurzem kam für Südtirol die Zusage aus Rom für weitere 180 Millionen Euro. Davon sollen 20 Millionen in den neuen Technologiepark fließen.

Eine Investition, die sich lohnt, denn schon heute ist der Automotive-Sektor, mit einer Zulieferindustrie mit rund 10.000 Beschäftigten, eines der Zugpferde der Südtiroler Wirtschaft. Die Automotive-Unternehmen in der Provinz erwirtschaften mehr als die Hälfte der regionalen Exporte und tätigen mehr als die Hälfte der regionalen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Allein die sechs Unternehmen, die sich zum Netzwerk «Automotive Excellence Südtirol» zusammengeschlossen haben — Alupress, Autotest, Autotest Motorsport, Gkn Driveline und Gkn SinterMetals — kommen bei insgesamt 2.500 Angestellten auf einen Jahresumsatz von rund 600 Millionen Euro. Und es sind auch genau diese sechs Unternehmen, die sich als Erste im NOI Techpark Bruneck niederlassen werden.

Von Software bis E-Mobilität, die Branche setzt auf neuste Technologien

Die Branche muss auf technologischen Fortschritt setzten, davon ist Klaus Mutschlechner, Geschäftsführer von Intercable und Sprecher von «Automotive Excellence Südtirol», fest überzeugt. Die Stichwörter lauten: Software, Automation und E-mobility. «Vergleicht man den Anteil der Beschäftigten— so Mutschlechner— zählt Südtirol in Europa zu den Regionen mit der stärksten Präsenz des Automotive-Sektors. Wir haben hier moderne, international tätige Betriebe, die wichtige Arbeitgeber sind und stark zum Wohlstand unseres Landes beitragen». «Die Gründung des NOI Techparks in Bruneck ist ein zentrales Anliegen unserer Gruppe. Er soll der Branche mehr Sichtbarkeit geben sowie Forschung und Entwicklung und Aus- und Weiterbildung forcieren. Nur so können wir dem Facharbeitermangel, der derzeit ein großes Problem für unsere Unternehmen ist, wirksam entgegensteuern». Mindestens hundert weitere Ingenieure, schätzt Mutschlechner, wird die Branche wohl in den kommenden 3 Jahren brauchen. Ein zentrales Merkmal des Brunecker Techparks: er soll Unternehmen und Fachkräfte aus der ganzen Welt beherbergen. «Wir wollen sowohl die ganz großen Player am Markt, als auch kleine innovative Start-ups nach Bruneck holen, aus Südtirol und dem Rest der Welt. In dieser Hinsicht wird es keine Limits geben».

Für Arno Kompatscher ist die Errichtung eines gut koordinierten Netzwerkes oberste Priorität für den Automotive-Sektor der Provinz: «Die Südtiroler Betriebe sind Vorreiter in vielen Bereichen, wie etwa bei Elektroantrieben. Aber die Entwicklung in Technologie und Digitalisierung schreitet rasant voran. Nur wenn alle Kräfte gebündelt und private Unternehmen mit Ausbildungsstätten, Universität und dem öffentlichen Bereich eng zusammenarbeiten, können die Südtiroler Unternehmen Schritt halten und auch weiterhin konkurrenzfähig bleiben». Ein weiterer Punkt, der dem Landeshauptmann am Herzen liegt, ist die Förderung und der Ausbau eines dualen Ausbildungssystems, welches Studenten ermöglicht, neben dem Hochschulstudium Berufspraxis in Unternehmen zu sammeln: «Ziel ist es —so Kompatscher — in Südtirol neue und hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen». «Die Südtiroler Automotive-Industrie ist eine der wichtigsten Branchen der Südtiroler Wirtschaft und das Pustertal einer der stärksten Wirtschaftsstandorte des Landes. Unser Ziel ist es, alle wichtigen Akteure zusammen zu bringen und mit vereinten Kräften daran zu arbeiten, die Branche, den Wirtschaftsstandort Pustertal und die gesamte Provinz nachhaltig zu stärken» fügte Stofner hinzu.

Das Ecosystem Automotive der IDM

So wie der NOI Techpark Bozen, wird auch der Ableger in Bruneck von der IDM Südtirol geleitet werden. Bei Letzterer ist seit Herbst 2016 auch das Ecosystem Automotive angesiedelt, welches zum Ziel hat, die wichtigsten Akteure der Branche zu vernetzen und gemeinsame Interessen zu bündeln. «Das Ecosystem Automotive unterstützt die Südtiroler Betriebe des Sektors dabei, sich untereinander zu vernetzen, auszutauschen, Kooperationen zu starten und gemeinsame Initiativen zu entwickeln, wie etwa die Teilnahme an internationalen Projekten — erklärte IDM-Präsident, Hansi Pichler—. Dabei können innovative Lösungen entstehen, die die Südtiroler Automotive-Industrie noch wettbewerbsfähiger machen». Auf 850 schätzt Pichler die Zahl der Südtiroler Automobilzulieferer. Ein Produktionszweig, der nicht nur zu den wichtigsten Branchen der Südtiroler Wirtschaft gehört, sondern auch das Potential hat, qualifizierte Arbeitskräfte ins Land zu bringen. Zwischen Bozen und dem Pustertal, im Herzen der Dolomiten, ist eine Automobilindustrie entstanden, die lokale Betriebe mit den großen Playern der Branche — Weltkonzerne, die sich für Südtirol entschieden haben, um zu wachsen— zusammenbringt. Von Ferrari bis Jaguar, jedes dritte Auto besteht aus Komponenten, die in Südtirol gefertigt wurden. Dabei kommt der Südtiroler Automotive-Sektor bei 10.000 Beschäftigten auf einen Produktionswert von einer Milliarde Euro. Entsprechend zufrieden über das geplante Kompetenzzentrum zeigte sich auch Brunecks Bürgermeister, Roland Griessmair: «Wir sind sehr erfreut über die Entscheidung des Landes, in Bruneck einen Technologiepark zu errichten. Ein solches Projekt wird den Wirtschaftsstandort Pustertal deutlich aufwerten».