Innovationen

28 September 2018IDM

„Lean Start-up“, die Lehrveranstaltung, die neue Ideen durchstarten lässt

Innovative Köpfe, Mentoren und potenzielle Investoren haben sich kürzlich bei der South TyroLean Startup Night getroffen. Vorgestellt wurde dabei auch AlpsCrowd, die Plattform, die jungen Menschen schon bald bei der Gründung ihres eigenen Business helfen soll

„Where are my socks?“ Eine Frage, die von zwei jungen Südtirolern, beide ehemalige Studenten der Freien Universität Bozen (Unibz), beantwortet wurde, indem sie ein Start-up gründeten, das originelle und personalisierbare handgefertigte Socken produziert und online verkauft. Eine erfolgreiche Idee – eine von vielen, könnte man sagen: Denn in den vergangenen fünf Jahren wurden insgesamt 15 Start-ups von Studenten des Unibz-Masterstudiengangs „Unternehmensführung und Innovation“ gegründet. Der Campus der Universität Bozen, eine Ideenschmiede.

Aber es ist nicht die einzige in Südtirol. Hervor sticht vor allem der NOI Techpark, der neue Technologiepark in Bozen, in dem auch das Gründerzentrum des Wirtschaftsdienstleisters IDM Südtirol untergebracht ist. Es ist ein Ort, an dem Wissen, Austausch und Auseinandersetzung, Innovation und Versuche, die Innovation in die Praxis umzusetzen, zusammenkommen. Schritte, die zwar unterschiedlich sind, von denen aber jeder einzelne wichtig ist – für jene, die den Weg des Unternehmertums gehen möchten, aber ebenso für jene, die sich dagegen entscheiden.

Unternehmertum und Start-ups standen auch am Donnerstag, 13. September, bei der zweiten South TyroLean Startup Night im NOI Techpark im Fokus. Das Ziel des Abends? Zukünftige Unternehmer, die Ideen für innovative Dienstleistungen oder Produkte haben, mit möglichen Investoren und Mentoren zusammenzubringen, welche die Start-upper auf ihrem Weg von der ersten Idee bis hin zur effektiven Umsetzung begleiten. Dazu soll auch die neue Plattform AlpsCrowd dienen, die bei der Veranstaltung vorgestellt wurde: Über die Plattform können verschiedenste Akteure mit jungen Menschen mit neuen Ideen in Kontakt kommen, und Start-upper erhalten die Möglichkeit, online Geld zu sammeln.

15 Start-ups gegründet: Unibz pusht junge Unternehmerszene

Die South TyroLean Startup Night wurde von Unibz und IDM organisiert. Hauptthema des Abends war „Lean Start-up“, eine im Silicon Valley entstandene Methode, die auf Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit von Innovationsprozessen beruht und so „schlank” als möglich sein muss, um den Ansprüchen der Kunden wie auch den sich ständig ändernden Marktanforderungen zu genügen. Es geht darum, einen Weg der Start-up-Entwicklung zu einem nachhaltigen Business zu finden, bei dem sowohl zeitlicher als auch finanzieller Aufwand so gering wie möglich gehalten werden – und damit auch die Möglichkeit eines Scheiterns. Es ist jener Ansatz, den Xiaofeng Wang, Dozentin an der Unibz-Fakultät für Informatik, schon seit längerem in der Lehrveranstaltung „Lean Start-up“ vermittelt. Der Kurs ist Teil des Masters in „Unternehmensführung und Innovation“ und wendet sich an Studierende der Wirtschaftswissenschaften und der Informatik ebenso wie an jene der Fakultät für Design und Künste. Aus der „Lean Start-up“-Lehrveranstaltung heraus wurden, wie bereits erwähnt, in den vergangenen fünf Jahren 15 Start-ups gegründet. Es hat sich sozusagen, im Kleinen eine junge Südtiroler Unternehmerszene aus dem Kurs heraus entwickelt.

Eines dieser Start-ups, das sich erfolgreich am Markt behauptet, ist WAMS, ein Akronym für „Where are my socks?“. Gegründet wurde es von Daniel Kaneider und Robert Larcher, die ihre Designprodukte in Italien handfertigen lassen. Damit hebt sich WAMS von Wettbewerbern ab. „Die italienische Tradition im Handwerk ist im Modebereich Synonym für hohe Qualität, Stil und Originalität“, erklärt Daniel Kaneider. „Deshalb haben wir uns entschieden, auch weiterhin dabei zu bleiben. Wir versuchen, die renommierte Tradition der Fertigung weiterzuführen und zugleich zu innovieren. Handwerk bedeutet auch Leidenschaft für das, was man tut, und für uns ist das die oberste Regel: Freude an der eigenen Arbeit zu haben.“

AlpsCrowd, die neue Start-up-Plattform in den Alpen

Bei der South TyroLean Startup Night wechselten sich mehrere Gäste am Mikrofon ab, darunter Christian Lechner, Professor an der Wirtschaftsfakultät von Unibz, oder Petra Gratl und Luigi Cavaliere. Die beiden IDM-Vertreter zeigten verschiedene Wege auf, wie Start-ups wachsen können. Und Hannes Pardeller und Roberto Radivo präsentierten das ehrgeizige Projekt AlpsCrowd. Dieses wird im Januar 2019 während des achten „Unibz Entreprenurship Evening" lanciert werden, der im Rahmen der Lehrveranstaltung „Lean Start-up“ organisiert und durch das Projekt Startuppucino unterstützt wird. AlpsCrowd soll eine zentrale Anlaufstelle für alle Player der regionalen Start-up-„Welt“ werden; auf lange Sicht soll die Plattform Investoren, Institutionen, Unternehmer und all jene, die am Wachstum eines Unternehmens beteiligt sind, miteinander in Kontakt bringen und so einen Kreislauf von Business Opportunities schaffen.

Zudem soll – wie schon der Name der Plattform verrät – diese auch dem Crowdfunding dienen, um damit Projekte und Firmen bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. „Das Ziel ist es, ein transparentes und fließendes Netzwerk zu schaffen, in dem es kaum Reibungsverluste gibt – und dadurch mehr Chancen für alle Beteiligten zu schaffen“, sagt Pardeller. „Letztlich liegt es natürlich an den verschiedenen Akteuren, das Netzwerk bestmöglich zu nutzen.“

Als Plattform, die an die regionalen Gegebenheiten angepasst ist, wird AlpsCrowd mit diversen Institutionen zusammenarbeiten, darunter Unibz, IDM, der Südtiroler Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh/apa, Messe Bozen und Handelskammer. Durch das Projekt wird das unternehmerische Ökosystem im Land, das bereits sehr lebendig und aktiv ist, weiter wachsen. Ein Ökosystem, das durch Veranstaltungen wie die Start-up Night, auch klare Signale der Offenheit an die junge Generation der Gründer sowie an jeden, der Teil dieser „Welt“ sein will, sendet, und das stets auf der Suche nach neuem Kraftstoff ist, um der Innovation einen Schub zu geben.