Innovationen

20 September 2017IDM

Shared Economy: Das Innovations-Projekt NOI in Südtirol

Der Begriff geistert seit einigen Jahren durch die Medien: Shared Economy. Gemeint ist damit das bewusste Teilen von Gütern oder Diensten, um Ressourcen zu schonen (ideeller Aspekt) und Geld zu sparen (finanzieller Aspekt).

Das erste Unternehmen, das mit Shared Economy zum Milliardenschweren Konzern wurde, war das 2008 gegründete, private Wohnungs-Vermittlungs-Portal Airbnb. Privatpersonen können ihre Wohnung, wenn sie selbst nicht da sind, an Touristen aus aller Welt vermieten. So steht die Wohnung nicht leer und wird genutzt – und bringt dem Vermieter ein bisschen Geld ein. Der Mieter auf der anderen Seite freut sich über eine komplette Wohnung, die gerade in Großstädten meist deutlich günstiger als ein Hotelzimmer ist.

Ein ähnliches Prinzip verfolgt Uber, bei dem Privatpersonen Taxi-Dienste mit ihrem privaten PKW anbieten. Über die letzten Jahre folgten Carsharing-Dienste wie Car2Go oder Drive now. Doch mittlerweile hat sich die Shared Economy über Wohnungs- und Auto-Sharing hinaus entwickelt und zeigt Ansätze in vielen anderen Branchen.

NOIe Modelle für Co-Working-Spaces

In Südtirol entsteht derzeit ein Innovations-Komplex namens NOI, der Name des neuen Technologiepark steht für Nature of Innovation. Nach dem Vorbild der enormen Anpassungsfähigkeit der Natur soll sich Innovation in Südtirol evolutionär entwickeln und nachhaltig sein. Wissenschaft und Wirtschaft werden so miteinander vernetzt, dass neue Produkte und dienstleistungen effizienter entstehen können. Im NOI wird es unter anderem auch  Shared Labs, also gemeinsam geführte Labore geben, die von verschiedenen Unternehmen zum Forschen und Testen genutzt werden können. „In den Labors des Technologieparks werden Wissen und Markterfordernisse zusammengeführt: Unternehmen, die durch Innovation ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem globalen Markt stärken wollen, finden hier noch besser vernetztes bereichsübergreifendes Know-how als dies bisher möglich war", erklärt Landeshauptmann Arno Kompatscher.

“NOI wird ein wichtiger Treffpunkt und Arbeitsort für etablierte Unternehmen, Start-ups, kreative Menschen und natürlich für Forscher. Das Hauptziel besteht darin, innovative und technologieorientierte Unternehmen und solche, die es werden wollen, mit einer Vielzahl von NOI-Services zu unterstützen und zu fördern,” sagt Hubert Hofer, Leiter des Developments bei IDM Südtirol. Bisher haben sich bereits über 60 Unternehmen gefunden, die zum Start die vielfältigen Räumlichkeiten des NOI nutzen wollen. Neben den 20 Laboren wird es u.a. einen sog. Makerspace für 3D-Druck, digitale Fertigung, Computersimulation, Lasercutting, Holz-, Elektronik- und Metallverarbeitung geben, in dem Unternehmen schnell einen Prototypen erstellen können. Außerdem wird es einen Ideaspace als gemeinsamen, modernen Arbeits– und Kooperationsraum für Start-ups und etablierte Unternehmen geben.

Vernetztes Zusammenarbeiten

Die Idee der gemeinsamen Nutzung von Arbeitsräumen ist nicht neu, Co-Working-Spaces gibt es seit vielen Jahren in jeder Großstadt. Im NOI Techpark sollen die Co-Working-Spaces aber miteinander vernetzen sein: “Wir betreiben am NOI ein Projekt zusammen mit einigen Gemeinden aus Südtirol, wo sich diverse Co-Working-Spaces der Region austauschen und gemeinsam Konzepte und Ideen entwickeln.” Das passt zum Namen des Innovations-Komplexes, denn das italienische “noi” bedeutet auch “wir”, also zusammen die wettbewerbsfähigkeit der angesiedelten Unternehmen steigern, indem man Projekte gemeinsam vorantreibt.

Wer die Räumlichkeiten nutzen darf, wird durch gewisse Kriterien festgelegt, wie Hubert Hofer erläutert. “Es muss sich um eine Forschungstätigkeit handeln, die lokalbezug hat und nachhaltig wirtschaftet. Bei den Start-up’s kommt es zusätzlich noch auf Referenzen an.”

Das NOI wird also ein großer Kollaborations-Komplex, an dem Forschungs-Räumlichkeiten, aber auch klassische Co-Working-Spaces, von verschiedensten Unternehmen in Anspruch genommen werden können. “Geplant ist aber z.B. auch der gemeinsame Ankauf und die gemeinsame Nutzung von Labor-Infrastruktur und Maschinen,” erläutert Hofer. “Außerdem gibt es am NOI ein eigenes Netzwerk mit Unternehmen, Forschungsinstituten wie EURAC oder Fraunhofer Italia und öffentlichen Institutionen, die das Ziel verfolgen, Produkte auf Basis von freier Software, also “Open Source”, zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln.”

Ende September, also in weniger als einem Monat geht es bereits los und die ersten Unternehmen und Start-ups – insgesamt über 500 Menschen – beziehen die Räumlichkeiten des NOI. Man darf gespannt sein, was die Kollaborationen, das gemeinsame Nutzen von Räumlichkeiten und Arbeitsmaterial – sei es analog oder digital – für Innovationen hervorbringen wird.