Innovationen

18 Mai 2018IDM

Gebäude: Energie sparen mit smarter Fassade

Um bis zu 40% reduziert die innovative Lösung den Energieverbrauch für die Klimatisierung von Büros. Der Prototyp wurde von Eurac Research und Stahlbau Pichler entwickelt

Gebäude, die bis zu 40% weniger Energie verbrauchen? Ein innovatives Fassadensystem aus Südtirol macht’s möglich. Die Energie-Experten von Eurac Research, Exzellenzzentrum für angewandte Forschung mit Sitz in Bozen, und dem Südtiroler Fassadenspezialisten Stahlbau Pichler haben in den vergangenen Jahren gemeinsam daran gearbeitet, eine Lösung zu entwickeln, die es ermöglicht, Heizungs-, Kühlungs - und Belüftungssysteme direkt in die Gebäudehülle zu integrieren. So können Räume nun unabhängig voneinander und je nach Bedarf klimatisiert werden. Die innovative Lösung ersetzt zentrale Heiz- und Klimaanlagen und senkt den Energieverbrauch für die Klimatisierung von Büros somit beträchtlich. Da die Mitarbeiter die Temperatur ihres Raums nun selber regeln können, erhöht sich außerdem der Arbeitskomfort. Vor Kurzem wurde der erste Prototyp der neuen Energiespar-Fassade fertiggestellt. Das Gemeinschaftsprojekt von Eurac und Stahlbau Pichler — beide Protagonisten der Südtiroler Innovationslandschaft— steht nun in den Startlöchern, um den Markt zu erobern. 

Heizung, Klimaanlage und Belüftungssystem in einem

Und was genau macht die Fassade von Eurac Research und Stahlbau Pichler so innovativ? In vielen Bürogebäuden sorgt eine zentrale Lüftungsanlage am Dach für die nötige Frischluft, sperrige Heizkörper und Klimageräte für Wärme im Winter und Kühlung im Sommer. Das neu entwickelte System kombiniert alle drei Funktionen und wird in die Module einer vorgefertigten Fassade eingebaut. Jeder Raum hat somit seine eigene Anlage und wer das Büro nutzt, kann das Raumklima selber bestimmen. Wie die Tests und Simulationen der Forscher zeigten, reduziert das Gerät den Energieverbrauch für die Klimatisierung von Büros je nach klimatischen Bedingungen um 26 bis 40 Prozent: Der Stromverbrauch für die Lüftung sinkt, Wärme und Kälte können effizienter verteilt werden. Außerdem steigt die Luftqualität. 

„Eine dezentralisierte Anlage benötigt weniger Komponenten als eine zentralisierte Anlage. Die Geräte sind in die Außenwand integriert und das Verteilungsnetz für Luft, Warm- und Kaltwasser kann reduziert werden und ist einfacher zu installieren“, erklärt der Experte für nachhaltige Heiz- und Kühlsysteme Roberto Fedrizzi von Eurac Research. Das dezentrale System spare außerdem Kosten, so Fedrizzi: Beim Bau eines 15-stöckigen Gebäudes mit einer Fläche von rund 7.000 Quadratmetern könnten bis zu 45 Prozent der Installationskosten bzw. sechs Prozent der gesamten Baukosten eingespart werden. 

Bereit für den Markt: “Nun beginnt die Phase der Industrialisierung“

Die innovative Fassade hat erste Labortests und Simulationen erfolgreich bestanden, sodass nun der Entwicklung hin zur Industrialisierung und Markteinführung nichts mehr im Wege steht. „Nun beginnt die Phase der Industrialisierung, um die Fassade zu produzieren und auf den Markt bringen zu können“, sagt Hannes Market, Leiter des technischen Büros bei Stahlbau Pichler. „Wir investieren viel in die Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Unternehmen. Im Laufe der Jahre haben wir mit über hundert Unternehmen bei verschiedensten Projekten zusammengearbeitet und wir freuen uns sehr, jetzt ein Ergebnis wie diesen Prototyp vorstellen zu können”, betont Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für Erneuerbare Energie von Eurac Research.

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