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31 August 2018IDM

Energie planen: eine Herausforderung zwischen Innovation und Natur

Seit 20 Jahren entwickelt Energytech CO2-neutrale Energieanlagen und gilt als Vorreiter in der Branche. „Unser Geheimnis? Wir bringen Arbeits- und Wohnräume in Einklang mit den äußeren klimatischen Bedingungen, und das ohne auf Komfort und innovative Technologien zu verzichten“

Von ihm stammte der Entwurf für die Pavillons von Deutschland, Österreich und der Schweiz auf der Expo 2015. Im selben Jahr realisierte es den Stand für Audi auf der Internationalen Automobilausstellung. Es war verantwortlich für die Planung und Realisierung innovativer Projekte in München und Frankfurt am Main und berät viele deutsche Kunden bei Baufragen auf italienischem Boden: Ohne Zweifel, das Ingenieurbüro Energytech, unter der Leitung von Norbert Klammsteiner und Georg Felderer mit Hauptstandort in Bozen / Südtirol, ist ein gefragter Partner für diePlanung und Umsetzung von Energieanlagen, und das nicht nur in Italien, sondern auch jenseits der Alpen. 

Energieeinsparungen und ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen ohne den Verzicht auf Komfort und den Einsatz neuer Technologien

Alles begann 1998, als Klammsteiner und Felderer beschlossen sich selbständig zu machen. Eine Entscheidung, die vielen damals als gewagt erschien. Einer von ihnen gab eine Stelle als Dozent an der Universität Padua auf, der andere verließ seinen Arbeitsplatz als Energy Manager bei der Provinz Bozen. Von Umweltverträglichkeit war zwar auch damals schon die Rede, jedoch nicht mit demselben Bewusstsein und der Dringlichkeit wie heute. Doch die beiden Ingenieure glaubten an ihr Vorhaben. Sie waren überzeugt, dass bald auch alle anderen erkennen würden, dass es ohne Energieeinsparung und einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen keine Zukunft geben würde. Und sie lagen richtig. „Wir waren mutig und betraten absolutes Neuland. Und auch heute, 20 Jahre später, bringen wir immer wieder innovative Ideen ein. Wir orientieren uns an der Natur und versuchen, Arbeits- und Wohnräume zu schaffen, die, den Jahreszeiten folgend, mit den äußeren klimatischen Bedingungen im Einklang sind, ohne jedoch auf Komfort und den Einsatz neuer Technologienzu verzichten. Als Energieberater und Planer von technischer Gebäudeausrüstung müssen wir in der Lage sein, die Bedürfnisse der Kunden bereits im Voraus zu erkennen und sie von der Planung bis zur Ausführung vorausschauend und mit Weitsicht zu begleiten“, erklärt Klammsteiner.

(Foto: Giuma)

In der Tat zeichnen sich ihre Projekte durch Effizienz, technisches Knowhow, eine schnelle Ausführung sowie durch die Ausgewogenheit zwischen überschaubaren Investitionen, Komfort und nachhaltigen Energiekonzepten aus. Ein exzellentes Beispiel dafür ist das Headquarter von Salewa in Bozen. „Wir möchten das Gefühl haben, im Sommer in den Bergen im Schatten eines Baums zu sitzen“, so lautete der Wunsch des Auftraggebers. Das auf Outdoor-Sportbekleidung und –ausrüstung spezialisierte Unternehmen wollte ein nachhaltiges Ambiente schaffen, in dem der natürliche Wechsel der Jahreszeiten spürbar sein sollte, ohne das Wohlbefinden zu beeinträchtigen. Diesen Wunsch konnte Energytech erfüllen. Angefangen mit der außergewöhnlichen Gebäudehülle des Salewa-Hauptsitzes, brachte das Ingenieurbüro nach umfassender Analyse und Planung des Energiekonzepts eine Reihe verschiedener Lösungen zur Anwendung: thermische Bauteilaktivierung, Belüftungs-, Befeuchtungs- und Umluftsysteme, Luftheizer und Deckenstrahlplatten, Fußbodenheizung und –kühlung und eine Photovoltaikanlage für die Produktion von ca. 530 000 KW/h pro Jahr, durch die die Emission von 335 Tonnen COeingespartwird. Zudem wurde das Gebäude an die Fernwärmeanlage Bozen angeschlossen und mit einer besonderen, gelochten Außenhülle versehen, die mit einem Netz aus unterschiedlich großen Öffnungen die eintretende Lichtstärke reguliert und somit im Winter einer Wärmedispersion und im Sommer einer Überhitzung entgegenwirkt. Auf diese Weise konnte der Energieaufwand für die Klimatisierung der Räume verringert werden. Das Gebäude, dessen Energieproduktion fast so hoch ist wie der Energieverbrauch (ca. 600 000 KW/h im Jahr), erhielt daher auch die Auszeichnung Work&Life der KlimahausAgentur und entsprach genau den Ansprüchen des Firmenchefs Heiner Oberrauch. 

Aufträge nicht nur in Südtirol und dem restlichen Italien, sondern auch jenseits der Alpen

Wer an eine grüne Zukunft glaubt, sieht jedes Projekt im Bereich des energieeffizienten Bauens als eine positive Herausforderung. „Kein Unternehmen kann es sich leisten, das Thema Energieeffizienz zu vernachlässigen. Wirtschaftlich gesehen stehen die Ausgaben für Energie nach den Personalkosten bei vielen Firmen an zweiter Stelle. Die Tatsache, in einer energiefreundlichen Umgebung zu arbeiten, motiviert das Personal und sorgt für Wohlbefinden, was wiederum eine höhere Produktivität zur Folge hat. Für all diejenigen, die an die Zukunft glauben, eine unumgängliche Investition also“, garantiert Klammsteiner. In der Tat klopfen immer mehr private und öffentliche Unternehmen an die Türen von Energytech. Unter anderem auch die Brauerei Forst, mit der das Büro seit über 10 Jahren zusammenarbeitet, oder der Milchhof Brimi in Brixen, für den eine Ammoniakanlage mit Eisspeicher und eine KWK-Anlage mit Dampfkessel geplant und in der Ausführung begleitet wurde. Aber auch die Thermen von Meran und das Hotel Therme Meran, das vor kurzem erweitert wurde, wobei die technischen Anlagen in Planung und Bauleitung von Energytech begleitet wurden. Weitere Projekte waren zwei Kraft- Wärme- Kältekoppelungsanlagen für das Forschungszentrum Sincrotrone in Triest, 2 Baulose der Fernwärmeanlage Brixen, das Krankenhaus und die Handelskammer Bozen, das vom Stararchitekten Renzo Piano entworfene tropische Gewächshaus im Muse Trient, sowie Villa Eden und das Hotel Lefay Resort am Gardasee. Letzteres wurde von der CNN zu den 10 besten Öko-Luxushotels der Welt gewählt, vom Umweltschutzverband Legambiente mit der Auszeichnung „Innovazione Amica dell’Ambiente“ geehrt und mit dem „Green Globe“-Umweltzertifikatausgezeichnet. Ebenfalls erwähnenswert sind die zahlreichen Aufträge für den deutschsprachigen Markt, angefangen mit den Expo-Pavillons, die eine ganz besondere Herausforderung darstellten. Der Pavillon für Deutschland sollte plastisch zu einem respektvollen Umgang mit der Natur auffordern. Bei diesem Projekt installierte das Büro auf den blattförmigen Stoffüberdachungen superleichte Photovoltaik-Paneele. Beim Pavillon der Schweiz wurde – auch anhand der von Energytech entwickelten Anlagen – auf den begrenzten Vorrat an Umweltressourcen auf unserem Planeten aufmerksam gemacht. Im österreichischen Pavillon sollte hingegen ein Ambiente mit dem Mikroklima der heimischen Vegetation entstehen, wobei ohne Einsatz von Klimaanlagen auf natürliche Weise eine kühlere Temperatur geschaffen wurde. Beim Projekt für Audifür die Internationale Automobilausstellung IAA 2015 lag das Augenmerk zu gleichen Teilen auf Energieeffizienz und Innovation. „Ein äußerst reizvolles Projekt, bei dem wir uns keine Fehler leisten durften und auf das wir sehr stolz sind“, berichtet der Ingenieur. 

“Wir investieren jährlich bis zu 10% unserer Mittel in Innovation und die Fortbildung unserer Mitarbeiter“

20 Jahre Wachstum für ein Büro, das von nur zwei Personen gegründet wurde und im Bozener Tis Innovation Park — heute das Gründerzentrum von IDM Südtirol — seinen Anfang nahm. Mittlerweile zählt das Unternehmen 19 Mitarbeiter (darunter fünf Frauen) und ist stets auf der Suche nach neuen Talenten. „Wir suchen sowohl Maschinenbau- als auch Elektroingenieure. Leute mit Kompetenz, aber auch mit der Bereitschaft, gemeinsam zu lernen und zu wachsen, mit einer angeborenen Begeisterung für das Thema Energieeffizienz und dessen stetige Weiterentwicklung“, sagt Klammsteiner. Wer mit Energie arbeitet, ist sich bewusst, dass man in diesem Bereich in die Zukunft blicken und sie manchmal sogar vorwegnehmen muss. Daher widmet das Büro auch jedes Jahr zwischen 5 und 10% seiner Mittel in Fortbildung und Innovation: „Wir haben uns sehr früh für erneuerbare Energien interessiert, unseren Kunden dynamische Simulationen der Projekte vorgelegt und unsere Mitarbeiter in der Verwendung des BIM - Building Information Modeling geschult. Unser Ziel besteht auch weiterhin darin, die Marktbedürfnisse im Voraus zu erkennen“, erklärt der Firmengründer und erwähnt gleichzeitig, dass Energytech mit vielen wichtigen italienischen Forschungseinrichtungen zusammenarbeitet: mit der Universität Bozen und Padua sowie der Lumsa in Rom, dem Eurac, dem Fraunhofer-Institut und der Klimahaus Agentur. Dieser kontinuierliche Wissensaustausch garantiert Wettbewerbsfähigkeit und wird durch das besondere „Ökosystem“ in Südtirol gefördert: „Der Standort Südtirol garantiert den Kontakt mit Akteuren, die exzellente Kompetenzen aufweisen. Unterschiedliche Kräfte, die für ein gemeinsames Ziel arbeiten und dank innovativer Triebfedern wie dem NOI Techpark in Bozen gemeinsam die Zukunft gestalten. Nicht vergessen sollte man dabei, dass Südtirol über eine überdurchschnittlich hohe Sensibilität für Umweltfragen verfügt. Wir sind die Green Region Italiens“, bemerkt Klammsteiner abschließend, „und es gibt keinen besseren Ort, um Energiefragen in den Vordergrund zu stellen.“

Fact Sheet

Energytech wurde 1998 von den Ingenieuren Norbert Klammsteiner und Georg Felderer gegründet. Das Büro kümmert sich um die Energieplanung und Optimierung von Anlagen für private und öffentliche Auftraggeber und überwacht sorgfältig alle Prozessphasen – vom anfänglichen Checkup über die Planung bis hin zur Durchführung. 

Das wichtigste Ziel von Energytech besteht darin, durch die Planung und Umsetzung von klimaneutralen Anlagen CO2-Emissionen stark zu reduzieren oder auch komplett zu vermeiden. Basierend auf präzisen Berechnungen und dynamischen Simulationen werden für die Kunden detaillierte Studien über die möglichen Emissionseinsparungen erarbeitet, wobei die Investitionsplanung stets darauf abzielt, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Die einzelnen Anlagen und Technologien werden bei den Projekten von Energytech im Rahmen einer globalen Energiestrategie eingesetzt. Die Tätigkeitsfelder des Büros betreffen in erster Linie: Optimierte technische Gebäudeausrüstung für Betriebe, öffentliche und private Bauten, Versorgungsinfrastrukturen, kommunale Versorgungsanlagen, Fernwärme, Fernkälte, Heiz- und Kühlzentralen, Biomasse-Kraft-Wärme-Kältekopplung, Kraft-Wärme-Kältekopplung mittels Gasmotoren und Gasturbinen, zivile und industrielle Kälteanlagen, Absorptionskälteanlagen, Geothermieanlagen, Biomasse-Heizanlagen, Solarthermie-, Photovoltaik- und Wasserkraftanlagen, Klimatisierungsanlagen (für eine optimierte Heizung, Kühlung und Belüftung) für Privatkunden und die Industrie, öffentliche und industrielle LED-Beleuchtungsanlagen sowie Elektro- und Spezialsysteme. Dabei kombiniert das Büro stets solides Knowhow mit Innovation.