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14 Februar 2019IDM

Wo Energieeffizienz und Design einander begegnen: Industriebauten und Weinkellereien im Zeichen der Nachhaltigkeit

Im Rahmen von Enertour, einem Projekt des Bozner NOI Techparks, konnten heuer über 100 Objekte besichtigt werden. Dr. Schär und die neue Weinkellerei Bozen als Highlights

Einen „grünen“ Blick hinter die Kulissen herausragender Bauwerke zu werfen und so für Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz zu sensibilisieren: Das war das Ziel von Enertour 2019, einem Projekt des NOI Techparks in Bozen. Die Fachexkursionen wurden anlässlich der Klimahouse angeboten. Die Messe für Energieeinsparung und Nachhaltigkeit fand heuer vom 23. bis 26. Jänner statt, wobei 450 Aussteller und über 36.000 Besucher gezählt wurden. 

Enertour 2019 wurde als Reise durch das nachhaltige Südtirol konzipiert. In diesem Rahmen konnten Bauernhöfe ebenso wie Wohnhäuser, aber auch Firmensitze, Industriegebäude und Labors besucht werden. Die Initiative sollte aber, so die Idee der Initiatoren, nicht nur für mehr Energieeffizienz werben, sondern auch ein noch engeres Netzwerk zwischen Unternehmen und Fachleuten der Branche schaffen. Unter den verschiedenen Objekten, die es zu entdecken galt, gab es heuer zwei Highlights – den Firmensitz von Dr. Schär in Burgstall und die neue Kellerei Bozen.

Der Lebensmittelproduzent und 
seine Fassaden mit Fischgrätenmuster

Seit der Gründung im Jahr 1922 in Innsbruck produziert Dr. Schär Lebensmittel für Menschen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen. Mit seinen 1210 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen, das weltweit vertreten ist, einen Jahresumsatz von 350 Millionen Euro. Der Hauptsitz ist in Burgstall bei Meran. Das Gebäude, das das Image von Dr. Schär widerspielgelt, besticht durch seine klaren Linien. Die Architektur entspricht höchsten ästhetischen, aber auch ökologischen Standards.

Das Projekt stammt aus der Feder des Bozner Architekturbüros Monovolume und wurde von Architekt Patrik Pedó koordiniert: „Es war nicht einfach, den Auftrag von Dr. Schär umzusetzen. Die neue Struktur sollte als Erweiterung eines bestehenden Verwaltungsgebäudes entstehen. Es galt, diverse Lösungen zu finden, um beispielsweise die unterschiedlichen Raumhöhen oder die vertikale Erweiterung angesichts der begrenzten Baufläche in Einklang zu bringen.“

„Markenzeichen“ des neuen Gebäudes sind die Fassaden mit Fischgrätenmuster. Die für den Bau charakteristischen Glaslamellen schützen vor der Sonneneinstrahlung. Das Glas verleiht dem gesamten Komplex aber auch und vor allem große Leichtigkeit und Transparenz. Außerdem hat jedes Büro einen optimalen Ausblick. Das „grüne Dach“ hingegen garantiert, und zwar Winter wie Sommer, optimale Wärmedämmung und Energieeinsparung. Zudem verbessert es die Schalldämmung.

Die Bauarbeiten waren besonders mühsam: „Einen Monat vor der Bauübergabe hat ein Brand den Treppenaufgang vollständig zerstört“, erinnert sich Pedó. „Wir hatten die Treppe in Eichenholz geplant, das die Natürlichkeit der Produkte von Dr. Schär symbolisieren sollte. Es war nicht einfach, die Treppe zu rekonstruieren, ganz zu schweigen von den Rauchschäden an Lüftungsrohren, die ersetzt werden mussten. De facto fand die Einweihung erst sechs Monate nach dem geplanten Termin statt.“ Der Firmensitz von Dr. Schär ist ein nachhaltiges Gebäude, das die KlimaHaus-B-Zertifizierung erhalten hat.

Der neue Kellerei Bozen

Wer die Südtiroler Weinszene kennt, weiß es bereits: Aus der Fusion der Kellereigenossenschaften von Gries und St. Magdalena ist die neue Kellerei Bozen entstanden, die sich nun einen prestigevollen Sitz samt Keller gebaut hat. Mit dem Projekt wurde das Bozner Architekturbüro Dell’Agnolo-Kelderer beauftragt. Der Bau wurde 2018 fertiggestellt. Die Besonderheit liegt in der Trennung zwischen dem eigentlichen Produktionsbereich und den Räumen für Verwaltung und Verkauf. Letztere sind in einem zentralen Prisma untergebracht, dessen Außenverkleidung an ein überdimensionales Weinblatt erinnert. Der Produktionsbereich erstreckt sich hingegen vertikal – von den höher gelegenen Moritzinger Weinhängen bis in den tiefen Keller.

„Das Gebäude wurde so konzipiert, dass es perfekt in die umliegenden Weinberge integriert ist“, so Egon Kelderer. „Dank der besonderen Bauweise ist es möglich, hier nicht nur Spitzenweine zu produzieren, sondern auch den Energieverbrauch zu reduzieren.“ Die Qualität des Produkts werde durch die sorgfältige Verarbeitung der Trauben bestimmt. „Jede Etage der neuen Kellerei ist einem bestimmten Prozess im Produktionszyklus gewidmet. Die Verarbeitung der Trauben beginnt im höheren Teil, während die Abfüllung im Erdgeschoss stattfindet. Darüber hinaus garantiert die Nähe der Kellerwände am Erdbereich ein für die Traubenverarbeitung optimales Klima.“ Die konstante Temperatur in den Kellerbereichen ermöglicht eine starke Energieeinsparung. Im Außenbereich wurde außerdem eine Photovoltaikanlage errichtet.  „Wir haben versucht, das Gebäude so ökologisch und nachhaltig wie möglich zu gestalten“, sagt Kelderer abschließend. „Unsere Idee war es, die Natur des umliegenden Weinhügels in den Kellerbau einfließen zu lassen.“

Fact Sheet

ECKDATEN ENERTOUR

Mehr als 100 Besichtigungsobjekte 

Im Rahmen von Enertour 2019 konnten heuer über 100 KlimaHaus-Niedrigenergiehäuser, Biomasse-Fernheizwerke, Wasserkraftwerke, Solarthermie- und Photovoltaikanlagen, Wind- und Biogasanlagen sowie städtische Energieversorgungssysteme aus der Nähe betrachtet werden.  Enertour bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Technologien und Strategien im Energiesektor kennenzulernen.

Eine Schule unter der Erde

Enertour hat heuer auch in Italiens ersten unterirdischen Schule Halt gemacht: Der Erweiterungsbau der Landesfachschule für Sozialberufe Hannah Arendt in Bozen bildet ein raffiniertes Gegenstück zum darüberliegenden historischen Kreuzgang der Kapuziner.