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18 April 2018IDM

3D-Daten und High-Tech-Prothesen: gesunde Zähne dank Digitaltechnik

Schnelligkeit und Qualität. Das in Naturns ansässige Unternehmen Ivoclar Vivadent produziert jährlich viele Millionen Kunststoffzähne. Diese werden in die ganze Welt verschickt. „Für Südtirol sprechen die Faktoren Mehrsprachigkeit und Mentalität”.

Wenn ein Patient in Italien, Österreich, Frankreich, Deutschland, Spanien, England oder anderen europäischen Ländern eine neue Brücke oder Zahnkrone bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser Zahnersatz in Naturns, einer kleinen Ortschaft in Südtirol mit weniger als sechstausend Einwohnern, designed und hergestellt wurde. Hier im Vinschgau — zwischen Obsthainen, grünen Wiesen und atemberaubenden Berglandschaften — sitzt eine der modernsten Produktionsstätten für maßgeschneiderten restaurativen Zahnersatz, die Kunden in ganz Europa beliefert. Ein Unternehmen, das außerdem noch einer der Marktführer bei der Herstellung von Kunststoffzähnen und Zahnersatzmaterialien ist und seine Produkte in über 120 Länder auf der ganzen Welt verschickt. Die Rede ist von Ivoclar Vivadent Manufacturing, der italienische Produktionsstandort des multinationalen Konzerns aus Liechtenstein Ivoclar Vivadent. Mit über 30 Niederlassungen und 6 Produktionsstätten in der ganzen Welt ist die Gruppe mit Hauptsitz in Schaan einer der weltweiten Marktführer in der Herstellung von Dentalprodukten und -systemen für Zahnärzte und Zahntechniker. Das Werk in Naturns stellt mit seinen 240 Angestellten allein in einem Jahr viele Millionen Kunststoffzähne her. Außerdem liefert es neben diversen anderen Produkten auch 245.000 digitale CAD-CAM-Lösungen (Computer-aided Design/Computer-aided manufacturing) für individuell hergestellten Zahnersatz an Kunden in zahlreichen mitteleuropäischen Ländern. Eine weitere Kuriosität: auch die Modelle für Ausbildungsprogramme in aller Welt werden hier in Naturns angefertigt.

Die Vorzüge des Standorts Südtirol

„Ausschlaggebend sind die Faktoren Mehrsprachigkeit und Mentalität”

Warum hat der Liechtensteiner Konzern ausgerechnet Südtirol für seine italienische Niederlassung gewählt? „Neben der Nähe zur Muttergesellschaft in Schaan/Liechtenstein waren sicherlich auch die Mehrsprachigkeit und die Mentalität der Südtiroler ausschlaggebend— erklärt Christian Frei, Geschäftsführer von Ivoclar Vivadent Manufacturing in Naturns. Er begann seine Karriere im Unternehmen vor 25 Jahren als Maschinenbauingenieur. Seit 2016 leitet er die Firma—. Wir sprechen hier mindestens zwei oder drei Sprachen und sind für unseren Fleiß und unsere Entschlossenheit bekannt — so Frei weiter —. 1962 haben wir mit 10 Mitarbeitern in der Vertriebsabteilung angefangen, 1967 kam dann auch die Produktion hinzu”. Schritt für Schritt erarbeitete sich der Südtiroler Standort dank seines hochqualifizierten Personals und der kontinuierlichen Optimierung von Produkten und Produktionsprozessen eine bedeutende Rolle innerhalb des Konzerns. „Wir haben alle Fertigungslinien für die Kunststoffherstellung von Anfang an intern gebaut— erläutert Frei — das heißt die Maschinen für die Herstellung der Kunstzähne und der Rohmaterialien für gefrästen restaurativen Zahnersatz. Heute ist die Produktion komplett automatisiert, wobei wir stets daran arbeiten, die Maschinen und Produkte ebenso wie die Software zur Definition der Frässtrategien weiter zu verbessern. Dank unserer umfassenden Kompetenzen im Engineering-Bereich beliefern wir heute auch andere Standorte des Konzerns mit den automatisierten Fertigungslinien, die wir hier in Naturns entwickeln und produzieren”.

„Digital Dentistry”

Individueller Zahnersatz in nur 24 Stunden dank 3-D-Daten

Im Jahr 2010 stellte sich Ivoclar Vivadent Manufacturing einer neuen Herausforderung, und zwar mit der Eröffnung einer zweiten Fertigungslinie für „Digital Dentistry“:die Herstellung restaurativer Prothesen anhand von 3D-Daten, die direkt vom Zahntechniker geliefert werden. Die Technologie der Zukunft im Dentalbereich. „Wie im Automotive-Sektor und in vielen anderen Wirtschaftsbranchen geht der Trend auch im Dentalbereich immer stärker hin zur Digitalisierung — bemerkt Frei —. Wir sind das einzige Werk im Konzern, das die notwendigen Kompetenzen im Bereich der Digital Dentistry für individualisierten und hochpräzisen restaurativen Zahnersatz bieten kann”. Dank dieser Technologie ist das Werk in Naturns in der Lage, innerhalb kürzester Zeit Zahnersatz für Kunden in ganz Europa anzufertigen. Und so funktioniert's: „Der Zahntechniker scannt das Modell ein, entwirft den Zahnersatz und schickt die Daten im 3D-Formatnach Naturns. Wir produzieren das Produkt und übersenden alles innerhalb von 24 Stundenan den Kunden. Dank dieser Methode erhält der Patient seine neue Krone oder Brücke in nur zwei Tagen”. 

Gewinner des Top Company Awards 2018

Der Produktions- und Entwicklungsstandort in Naturns hat also eine Vorreiterrolle innerhalb des Konzerns, der unter anderem Werke in Liechtenstein, den USA, in Deutschland, in Österreich und auf den Philippinen unterhält. Doch eines ist sicher: diese wichtige Position hätte das Unternehmen nicht ohne den täglichen Einsatz und die Motivation seiner Mitarbeiter erlangt. „Ein gutes Betriebsklima ist unabdingbar für den Erfolg eines Unternehmens — betont Luis Pföstl, Personalleiter am Standort Naturns —. Wir möchten, dass alle sich einbezogen, respektiert und wertgeschätzt fühlen, denn ein Unternehmen besteht nicht nur aus dem Management, sondern aus allen Personen, die hier tagtäglich arbeiten”. Ein gutes Klima im Betrieb entsteht jedoch nicht von heute auf morgen. Das weiß auch Pföstl. „Die notwendigen Strukturen bereitzustellen, um das Wohlbefinden der Beschäftigten am Arbeitsplatz zu verbessern, bedurfte eines langen und intensiven Prozesses, der vor vielen Jahren begonnen hat”. Eine Strategie, die sich am Ende gelohnt hat und vielfach ausgezeichnet wurde, zuletzt mit dem Top Company Award 2018. In Zusammenarbeit mit IDM Südtirol ermittelt die Firma Business Pool jedes Jahr die besten Arbeitgeber Südtirols, wobei es die Beschäftigten selbst sind, die ihre Arbeitsstelle bewerten.

„Was wir unseren Angestellten bieten? Für uns beginnt ein gutes Arbeitsklima beim Gehalt. Jeder bekommt den Lohn, der ihm zusteht und niemand muss um eine Gehaltserhöhung kämpfen — betont Pföstl—. Außerdem sind wir flexibel bei den Arbeitszeiten, denn unsere Firmenphilosophie zielt auch auf die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben ab. Hierfür haben wir im Jahr 2014 das Zertifikat „Audit familieundberuf”der Handelskammer Bozen erhalten. Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, die Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Die Angestellten halten täglich kurze Meetings ab, um Ergebnisse zu analysieren und über Innovationen zu diskutieren”. Schließlich steht auch die Gesundheit der Mitarbeitenden beim Unternehmen im Mittelpunkt. Von der Kantine, wo man für nur 3,50 Euro eine ausgewogene und gesunde Mahlzeit erhält, über die Einrichtung von „Gesundheitsecken”, die in den Abteilungen Obst und Wasser für alle Beschäftigten bereitstellen, bis hin zur Organisation von Ausflügen, sportlichen Aktivitäten und Massagen für die gesamte Belegschaft.

Ein attraktiver Arbeitsplatz nicht nur wegen der zahlreichen Benefits für die Mitarbeiter, sondern auch dank der umfassenden Beschäftigungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten für unterschiedlichste Berufsprofile: „Da der gesamte Produktionszyklus intern stattfindet, sind wir ständig auf der Suche nach Maschinenbauern, Mechatronikern, Konstrukteuren, CAD/CAM-Spezialisten und Software-Programmierern”. Um den Austausch mit der Forschung zu fördern und jungen Talenten die Möglichkeit zu bieten, im Unternehmen praktische Erfahrungen zu sammeln, steht Ivoclar seit kurzem im Gespräch mit der Freien Universität Bozen: „Geplant ist eine Zusammenarbeit mit der Universität, um Informatikstudenten die Möglichkeit zu bieten, bei uns in der Firma Praktika zu absolvieren oder Diplomarbeiten zu schreiben”.

Nicht zuletzt sind das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Mitarbeiter von Ivoclar Vivadent in Naturns auch dem Standort Südtirol zu verdanken. „Nehmen wir mich als Beispiel — lächelt Pföstl—. Ich arbeite in einem international tätigen Unternehmen, gehe aber zu Fuß zur Arbeit und habe von meinem Arbeitsplatz aus einen herrlichen Ausblick. Genau das bedeutet für mich Lebens- und Arbeitsqualität. Letztendlich arbeiten wir da, wo andere Urlaub machen”.

Fact Sheet

Zahlen

240: Anzahl der Beschäftigten von Ivoclar Vivadent am Standort Naturns

3596: Anzahl der Konzernmitarbeiter weltweit

809 Millionen CHF: Konzernumsatz im Jahr 2017

Geschichte

1962  Erwerb der ersten Niederlassung

1963 Betriebsstart mit 10 Angestellten 

1967 Zahnproduktion in neuem Werk mit durchschnittlich 70 Mitarbeitern

1971 Erweiterung der Firma und Erhöhung der Mitarbeiter auf 170

1983 Fertigstellung eines weiteren Firmengebäudes, Anstieg der Mitarbeiter auf 260

1988 Firmenerweiterung und Erhöhung der Mitarbeiter auf 340

2007 Verkauf eines Teils der Firmengebäude (Gründe: Zentralisierung der Logistik und Auslagerung des Ausbildungszentrums)

2010  Produktionsstart Digital Dentistry 

2011  Ivocar Vivadent Manufacturing GmbH (Produktion Naturns) und Ivoclar Vivadent Srl (Vertrieb und Marketing Bologna) werden zwei eigenständige Unternehmen