Talente

28 November 2018IDM

Sensoren und Satelliten: Drei Studenten entwickeln das „smarte Biwak" und fliegen ins Silicon Valley

500 Teilnehmer kamen in den NOI Techpark, um bei der SFScon, der wichtigsten italienischen Konferenz zur freien Software, und dem Vertical Innovation Hackathon zum Thema Green Projects dabei zu sein

Drei Studenten und eine Idee: ein „smartes Biwak", das mit einer Reihe von Annehmlichkeiten ausgestattet ist und dank spezieller integrierter Sensoren die Möglichkeit bietet, interne und externe Bedingungen aus der Ferne zu kontrollieren. Dazu kommt als weiteres Feature, dass das intelligente Biwak ganz einfach per Mausklick über eine App gebucht werden kann, damit geplante Touren ohne Überraschungen ablaufen.

Es handelt sich dabei um ein ehrgeiziges Projekt, umso mehr, wenn man bedenkt, dass es in nur 24 Stunden konzipiert und entwickelt wurde. Es handelt sich aber auch um ein dermaßen überzeugendes Projekt, dass die Entwickler – Carlotta Tagliaro, Francesco Ballerin und Alberto Bombardelli, drei Studenten der Universität Trient – 2019 ins innovative Herz der Vereinigten Staaten, das Silicon Valley, reisen werden, um ihr innovatives System dort vorzustellen. Sie haben nämlich einen der begehrten Preise des Vertical Innovation Hackathon gewonnen, des Ideenmarathons, der seit zwei Jahren Hand in Hand mit der South Tyrol Free Software Conference (SFScon) geht, die heuer ihre 18. Auflage zählte und damit die „langlebigste" und teilnehmerreichste Konferenz zum Thema Open Source in Italien ist (aber zugleich durch Internationalität punktet). Mehr als 500 Personen haben während der SFScon am 16. und 17. November die Konferenzräume im NOI Techpark in Bozen, einem Technologiezentrum mit Brückenfunktion zwischen Nord- und Südeuropa, bevölkert und Bozen für zwei Tage zur Hauptstadt der freien Software gemacht.

„Unser Veranstaltungsformat vereint die besten europäischen Spezialisten, die die Protagonisten der SFScon sind, mit der Kreativität des Ideenmarathons Hackathon", erklärt Patrick Ohnewein, Koordinator des Ecosystem ICT & Automation von IDM Südtirol, das SFScon und Hackathon organisiert, letzteren in Zusammenarbeit mit Stiftung Südtiroler Sparkasse, ACS und Infominds, Axiell, Innos, Interreg IT-AT Argento Vivo, Marketing Factory, Simedia, Systems und Würth Phoenix. „Mit der Kombination SFScon/Hackathon hat sich Südtirol wieder einmal als Bezugspunkt für Entwickler bewiesen, die hier ihre Kreativität bündeln können“, so Ohnewein weiter. „Es handelt sich um Veranstaltungen, die zum einen Ideen und überzeugende Projekte hervorbringen, zum anderen die Innovationsfähigkeit Südtirols, eines immer attraktiver werdenden Standorts für IT-Entwickler, belegen.“

Ein Tag, ein Projekt

24 Stunden, um ein Projekt zu entwickeln. 100 Teilnehmer, darunter Studenten, Entwickler und Innovationsbegeisterte. 26 Teams und drei Minuten, um die Jury von der Validität der geleisteten Arbeit zu überzeugen. Der NOI Techpark war bestens gerüstet, um sowohl die Versorgung mit Lebensmitteln während des Tages als auch Schlafplätze für die Nacht zu gewährleisten. Und die Palette der Ideen, die entstandenen sind, war umfangreich: vom Elektrofahrrad mit Spezialsensoren für Bergtouren bis hin zu einer App, mit der Krankenwagen so schnell wie möglich zum Einsatzort gelotst werden.  

Das Team, das das Gewinnerprojekt präsentiert hat und das Ende April in die States fliegen wird, setzt sich aus drei jungen Köpfen zusammen, die an der Universität Trient studieren. Tagliaro, Ballerin und Bombardelli wollen mit ihrem Webportal „Smart Bivouac“ den Bergtourismus revolutionieren, indem sie Biwaks, also einfache Nachtlager im Gebirge, smarter machen. Nach der Identifikation der zahlreichen Biwaks in den Südtiroler Bergen haben die Studenten ein Buchungssystem entwickelt, das aus der Distanz funktioniert, und dem User zudem einen nützlichen Code für den physischen Zugang zum Biwak zusendet. Aber das ist noch nicht alles: Dank eines Netzwerks von Sensoren können sowohl interne als auch externe Bedingungen am Biwak aus der Ferne kontrolliert werden, damit man vorbereitet ankommt. Ein Beispiel für angewandte Innovationen im Tourismus, die darauf abzielen, wenig verwalteten Biwaks neues Leben einzuhauchen.

„Es waren wirklich harte 24 Stunden, denn wir haben es erst in den letzten Minuten geschafft, den Prototyp fertigzustellen, den wir der Jury präsentiert haben. Die Erfahrung war unglaublich, nun ist es schwierig, zu realisieren, dass wir den Preis gewonnen haben", sagte Carlotta Tagliaro, aus Padua (Veneto) stammende Studentin an der Universität Trient.

Foto: Manuela Tessaro

Nach dem Hackathon wurden neben der Reise nach San Francisco noch weitere Anerkennungen vergeben: Eine an die Gruppe NatureDriver, die sich aus vier Studenten der Universität Trient zusammensetzt, Beniamino Marini, Alessandro Amici, Maria Celeste Bonometti und Andrea Leone. Die Gruppe, die ein Portal zur Sammlung von Informationen und Daten für den Südtiroler Tourismus konzipiert hat, wird an der FOSDEM (Free and Open Source Software Developers' European Meeting) in Brüssel teilnehmen. Ein weiterer Preis ging an PicStory von Hlib Babii und Anjan Karmakar, Studenten der Universität Bozen, die ein nützliches Spiel für Touristen entwickelt haben, mit dem diese auf Fotos sehen können, wie die Landschaft Südtirols vor Hunderten von Jahren ausgesehen hat. Für sie gibt es eine Reise nach Amsterdam, einem der Dreh- und Angelpunkte der europäischen Innovation.

Von Google bis zur EU – die Referenten der SFScon waren vielfältig

Die vielen jungen Leute, die am Hackathon teilgenommen haben, hatten auch die Gelegenheit, sich von den 40 Referenten inspirieren zu lassen, die am Freitag, 16. November, bei der SFScon vortrugen. Eine Konferenz, die in diesem Jahr zum 18. Mal stattfand und dabei mehr als 500 Personen in den NOI Techpark lockte. Die SFScon war die erste ihrer Art in Italien und hat sich inzwischen zu einem Bezugspunkt für die internationale Welt der freien Software entwickelt. Heuer ging es um Open Source und nachhaltige Technologien, dazu kamen Seitenblicke auf das Thema Umwelt. Das Wort ergriffen haben viele „Große" der Branche, etwa Josh Simmons. Der Community Strategist von Google USA hat in seinem Beitrag das Community-Building und wie es professionell organisiert werden kann in den Mittelpunkt gestellt – und auch Einblicke in seinen großen Erfahrungsschatz und in den Weltkonzern Google gegeben.

„Community-Mitglieder müssen sich und ihre Kompetenzen kennen“, erklärte er während seines Vortrags. „Das bedeutet auch, dass sie sich regelmäßig bei Veranstaltungen treffen müssen. Der Kontakt kann nicht nur online gepflegt werden. Das ist vor allem für schnell wachsende Communities essenziell.“ Zudem sei es unbedingt notwendig, dass Organisatoren von Communities verstünden, dass eine Community stets multidisziplinär sei und Möglichkeiten geschaffen werden müssten, bei denen sich die Mitglieder verschiedener Communities auch in die Arbeit lokaler Industriebetriebe einbringen können. „Wenn Sie diese Möglichkeit für Ihre Community immer wieder schaffen, wird Ihre Free-Software-Community langfristig bestehen“, betonte Simmons. Referiert haben auch Wolfgang Burtscher, stellvertretender Generaldirektor der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission, und Martin Englund von Palo Alto Networks. Letzterer hat über die Bedeutung von „Upstream First" (die eigenen Änderungen zum Originalprojekt beisteuern) im Bereich Open Source gesprochen.

Wie jedes Jahr wurde im Rahmen der SFScon auch der Free Software Award verliehen: Für 2018 ging er an Paolo Dongilli, seit knapp zwei Jahren Koordinator des Projektes FUSS. Dieses ermöglicht es Schülern und Lehrern, zu Hause dieselben „Informatikwerkzeuge“ zu nutzen, wie in der Schule – und das kostenlos.

Open-Source-Software wird für die italienische Wirtschaft immer wichtiger. Laut der Studie NextValue wird sie von sechs von zehn Unternehmen genutzt. Dieser Prozentsatz steigt für die öffentliche Verwaltung auf 85 Prozent.

Fact Sheet

SFScon in Zahlen

Die SFScon war die erste ihrer Art in Italien und hat sich inzwischen auch europaweit zu einem Bezugspunkt für die Welt der freien Software entwickelt. In diesem Jahre fand sie bereits zum 18. Mal in Bozen statt. Ganze 226 Talks wurden seit 2001 gehalten, von insgesamt 211 Speakern. Zusammengerechnet haben an den vergangenen 18 Auflagen der Konferenz über 10.000 Personen teilgenommen.