Talente

21 Dezember 2018IDM

Nabil, von Marokko nach Bozen, um die Sicherheit im Netz voranzutreiben

An der Freien Universität Bozen macht der Forscher aus Rabat seinen PhD im Bereich Cloud Security. Und in seiner Freizeit ist er passionierter Pfadfinder. „Die Lebensqualität in Bozen ist unbezahlbar“

Für Menschen, die im marokkanischen Rabat gelebt haben, sind der enge Kontakt mit anderen und das Auskosten der Freuden des Lebens Teil des Alltags, tief in der eigenen Kultur verwurzelt. Wie aber lässt sich dies mit der Informatik vereinbaren, mit virtuellen Welten und künstlicher Intelligenz? Nabil macht es uns vor: Er geht an jede informatische Herausforderung mit einer gehörigen Portion Pragmatismus heran und verliert die Realität nie aus den Augen.

Mit dieser Lebenseinstellung im Gepäck kommt Nabil mit 22 Jahren nach Bozen, wo er an der Freien Universität Bozen studiert und danach einen PhD im Bereich Cloud Security erwirbt. Nabil bleibt auch nach Abschluss seines Studiums an der Uni, hier unterrichtet und forscht er noch heute. Was ihn dabei besonders fasziniert: „Forscher tauschen sich ständig aus, wir sind eine echte Gemeinschaft, in der einer die Arbeit des anderen aufwertet“, schwärmt Nabil, der sich etwa stetig mit seinem iranischen Kollegen austauscht, dessen Schwerpunkt die künstliche Intelligenz ist. „Wir teilen unsere Erfahrungen und Informationen“, so Nabil, der dadurch bestätigt fühlt, was das Leben ihn gelehrt hat: „Unsere eigene Entwicklung baut immer auf der Entwicklung der anderen auf.“

„Ich gehe stets positiv und mit einem besonderen Augenmerk auf Ethik und Moral an ein neues Projekt heran“

Insofern kommen Nabil seine marokkanischen Wurzeln, seine Offenheit und die ständige Suche nach dem Kontakt mit anderen durchaus auch in der akademischen Welt zugute. Seine Herkunft habe ihm geholfen, menschlicher zu sein, großherziger, freundlicher und vor allem neugierig, erklärt Nabil, der sich nicht nur seine Wurzeln, sondern auch einiges an kindlicher Begeisterung und Kreativität bewahrt hat.

Von beidem profitiert er in seinem Beruf als Forscher. „In der Forschung“, sagt Nabil dann auch, „liegt die eigentliche Innovation“. Und ein offener Geist gehöre unweigerlich zu einem Forscher dazu. „Schließlich gehe ich immer von einem Problem aus, das ich lösen möchte“, so Nabil, „ich weiß aber vorher nie, wohin mich meine Arbeit dabei führen wird“. Und wenn auch jedes Forschungsprojekt anders sei, gebe es für ihn doch klare Leitlinien bei der Herangehensweise: „Ich gehe stets positiv und mit einem besonderen Augenmerk auf Ethik und Moral an ein neues Projekt heran“, erklärt Nabil.

„Die Lebensqualität in Bozen ist unbezahlbar und unsere Töchter hier aufwachsen zu sehen, ist wunderbar“

Mittlerweile liegt nicht nur sein beruflicher Lebensmittelpunkt in Bozen, sondern auch sein privater. Seine Frau ist ihm nach Bozen gefolgt, seine zwei kleinen Kinder wachsen hier auf – aus einem einfachen Grund: „Ich fühle mich in Bozen zuhause, die Lebensqualität ist unbezahlbar und unsere Töchter hier aufwachsen zu sehen, ist wunderbar“, so Nabil. Sie könnten hier gleich mehrere Sprachen gleichzeitig lernen, er könne seine Freizeit mit ihnen genießen – auch in der Natur. „Wir wandern sehr gern und tun dies auch mit unserer Kleinen immer noch“, erzählt er. „Wir packen sie einfach in eine Trage, damit auch sie die Natur genießen kann.“

Neben Familie und Natur hat es Nabil vor allem das Bogenschießen angetan, das er in Bozen auch im Verein ausübt. „Wir trainieren in Jenesien, auf dem Ritten oder auch einfach nur in einer schönen Halle hier in der Stadt“, erzählt er. „Von der Uni zum Training zu kommen, ist also kein Problem.“ Von seinem Sport profitiere er gleich doppelt, erklärt Nabil: „Zum einen hilft er mir, konzentriert zu bleiben, zum anderen kann ich aber auch herrlich entspannen.“

„Im Endeffekt sind wir alle gleich: Wir sind alle von diesem wunderbaren Fleckchen Erde adoptiert worden“

Seit sechs Jahren ist Nabil darüber hinaus passionierter Pfadfinder und trägt die Verantwortung als Führer einer muslimischen Pfadfindergruppe in Bozen, mit der er viel Zeit verbringt, in der Natur unterwegs ist und singt. „Pfadfinder folgen in der ganzen Welt den gleichen Werten, es geht um die körperliche, geistige und moralische Entwicklung“, sagt Nabil, dessen Pfadfindergruppe den Austausch mit anderen aus dem ganzen Land zum Programm gemacht hat. „Im Endeffekt sind wir alle gleich“, sagt Nabil, „wir sind alle von diesem wunderbaren Fleckchen Erde adoptiert worden.“

Fact Sheet

Hier lebt Nabil

Bozen zieht dank seiner beiden unterschiedlichen Facetten – eine nordeuropäisch geprägt, die andere eher mediterran – Gäste aus aller Herren Länder in seinen Bann. Die beiden Gesichter dieser Stadt gehen hier eine perfekte Verbindung ein, die in den kunsthistorisch bedeutsamen Sehenswürdigkeiten bestens zum Ausdruck kommt. Jahrhundertelang war Bozen ein wichtiges Handelszentrum zwischen Italien und Deutschland. Heute ist Südtirols Hauptstadt eine Weltstadt, die sich gleichzeitig lebendig, fröhlich, weltoffen, modern und traditionsverbunden zu zeigen weiß.

Bozen bietet ein ausgewogenes Stadtbild aus Wohn- und Grünflächen. Auf einer Vielzahl von Wegen lassen sich in Zentrumsnähe schöne Spaziergänge unternehmen und gleichzeitig können ambitioniertere Wanderer auch mit einer der drei Bergbahnen auf die rings um die Stadt gelegenen Hochebenen fahren. Die Naturkulisse ist hier einzigartig.

Hier arbeitet Nabil 

Nabil arbeitet an der Fakultät für Informatik der Universität Bozen.

Die Lehre wird durch eine exzellente Infrastruktur unterstützt und speist sich kontinuierlich aus aktuellen Forschungsarbeiten. Studierende aller Studienniveaus sind von Anfang an in innovative Softwareprojekte eingebunden, die sich direkt auf Unternehmen, Gesellschaft und die Wissenschaftsgemeinschaft auswirken.

Mit Lehrenden aus 8 verschiedenen Ländern bietet die Universität ein ideales internationales Lehr- und Forschungsumfeld. Führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Bereichen Datenmanagement, Software Engineering und Intelligent Systems arbeiten an international anerkannten Projekten. Finanziert werden diese zum Großteil über private Drittmittel, den Rest decken öffentliche Gelder. Die Fakultät schaffte es im Jahr 2018 in die Top 200 des Times Higher Education “Computer Science subject ranking”.