Talente

4 September 2018IDM

Walter und die Robotik: „In Kanada oder in Deutschland? Besser in Südtirol“

Die Geschichte des jungen Mechatronik-Forschers von Fraunhofer Italia: In Bozen konnte er Karriere und Lebensqualität unter einen Hut bringen

Wenn es so etwas wie den Traum eines Ingenieurs gibt, dann lebt ihn Walter: als Mechatroniker an der Universität Trient ausgebildet, hat er schon während des Studiums begonnen, am renommierten Forschungsinstitut Fraunhofer Italia Research in Bozen zu arbeiten. „Ich beschäftige mich dort mit Robotik“, erklärt Walter, „und es ist phantastisch.“

Walter Gasparetto ist Teil des Teams, das das Projekt DeConPro voranbringt, die Entwicklung einer Robotik-Anwendung, die künftig Herzstück intelligenter Fabriken sein wird. „Der Roboter wird in Zukunft Menschen dabei unterstützen, besser zu arbeiten, indem er die schweren und repetitiven Arbeiten übernimmt“, erklärt Walter. Das setze menschliche Ressourcen frei, die in kreativere Tätigkeiten fließen könnten. „So werden die wahren Fähigkeiten der Menschen aufgewertet“, ist der junge Ingenieur überzeugt.

Entsprechend stolz ist er, Teil des Forschungs- und Entwicklungsteams am Fraunhofer-Institut in Bozen zu sein. „Dieses Institut hat volles Vertrauen in junge Wissenschaftler wie mich. Es ermutigt uns, eigene Projekte zu entwickeln und unterstützt uns, neue Ideen auszuloten und Grenzen zu verschieben“, erklärt Walter. Fraunhofer versuche, Wissenschaft und Wirtschaft zu vereinen und mit Hilfe angewandter Forschung Innovation voranzutreiben. „Wir unterstützen die kleinen und mittleren heimischen Betriebe in ihren Forschungs- und Entwicklungsprojekten, und zwar mit maßgeschneiderten Industrie-4.0-Lösungen, etwa für das Handwerk oder das Baugewerbe“, erklärt der Ingenieur.

„Ich hätte in Kanada oder Deutschland arbeiten können, habe mich aber für Südtirol entschieden“

Das Fraunhofer-Institut in Bozen war demnach Walters erste Wahl. „Ich hätte in Deutschland arbeiten können oder – weil ich kanadischer Staatsbürger bin – auch in Kanada, aber ich liebe Südtirol und habe mich ganz bewusst dafür entschieden, hier zu leben.“ Diese Entscheidung war nicht nur eine Herzens-, sondern auch eine Kopfsache: „Ich glaube nicht, dass es einen anderen Ort auf der Welt gibt, an dem ich solche Möglichkeiten hätte, meine Arbeit voranzubringen, wie hier in Südtirol.“

Wer Walter näher kennenlernt, entdeckt bald schon das Geheimnis hinter dem optimistischen Lächeln auf seinem Gesicht: seine Arbeit ist zugleich seine Leidenschaft. Und zudem stimmen auch die Rahmenbedingungen in seinem Leben, liebt er doch die Natur und die Berge, die ihn in Südtirol umgeben. „Manchmal fahren wir nach besonders anstrengenden Arbeitstagen mit der Seilbahn auf den Ritten“, erzählt Walter, „um eine andere Luft zu atmen und die besondere Energie der Berge zu tanken“. Deshalb sei es für ihn unvorstellbar, irgendwo zu leben, wo es seine geliebten Berge nicht gebe.

Aber zurück zu seiner zweiten (oder ersten?) Passion: der Arbeit. Schon als kleiner Junge habe er es geliebt, an Dingen herumzuschrauben und Experimente durchzuführen. Letzteres tut er noch heute leidenschaftlich gern. In seiner Passion fürs Schrauben habe er einen Komplizen in seinem Opa gefunden, einem Elektriker: „Schon mit acht Jahren habe ich meine Spielsachen auseinandergenommen, mit einem neuen Motor versehen und wieder zusammengeschweißt“, erinnert sich Walter. Eine nicht ganz ungefährliche Leidenschaft: „Das erste Buch, das ich mit sieben oder acht Jahren aus der Bibliothek ausgeliehen habe, war eines mit Experimenten für zu Hause“, schmunzelt Walter, „und die habe ich mit so viel Leidenschaft durchgeführt, dass auch schon einmal etwas in die Luft geflogen ist.“ Damals ist wohl auch die Passion geboren, der Funktionsweise von Dingen auf den Grund zu gehen, um diese danach selbst zu bauen.

Trotz der Sorgen seiner Mutter, die die Experimente ihres Sohnes miterleben musste, hat Walter an seiner Leidenschaft festgehalten und sie zum Beruf gemacht – nach dem Studium der Mechatronik in Padua und Trient. Heute ist sein Traum der, einen Roboter zu bauen, der Menschen bei der Arbeit hilft, einen Roboter, den niemand programmieren muss, sondern der selbst von den Bewegungsabläufen der Menschen um ihn herum lernt. Das Vorbild ist dabei ein ungewöhnliches: „Geboren ist die Idee, weil ich meiner Mutter, einer Schneiderin, bei ihrer Arbeit zugeschaut und verstanden habe, worauf es ankommt.“ Ansonsten halten auch schon einmal Filme als Inspirationsquelle her, Bücher und vor allem Gespräche: „Sie zeigen mir am deutlichsten, was es wirklich braucht, um besser arbeiten und leben zu können“, sagt Walter.

„In Bozen bewege ich mich praktisch nur mit dem Fahrrad“

Kontakte verschafft ihm nicht zuletzt sein Arbeitsplatz im neuen Technologiepark NOI im Süden Bozens. Von zu Hause erreicht er den NOI per Fahrrad, denn: „In Bozen bewege ich mich praktisch nur mit dem Fahrrad, auch weil es überall Radwege gibt.“ Der Arbeitsplatz gab ihm zudem die Möglichkeit, andere junge Leute kennenzulernen und sich ein soziales Umfeld aufzubauen: „Fast jede Woche gibt es ein Event, eine Tagung oder auch eine Theateraufführung in der Stadt oder im Umland, die ich mit meiner Freundin besuche“, so Walter. Daneben nutzt er die Freizeit auch, um Dinge zu erfinden und zu bauen: „Manchmal kriege ich noch einen Stromschlag“, lacht der junge Tüftler, „es lohnt sich aber.“

„Ein von mir konstruiertes Flugzeug neben diesen majestätischen Bergen fliegen zu sehen, gibt mir das Gefühl, alles schaffen zu können“

Und so zieht sich die Leidenschaft fürs Erfinden durch Walters Berufs- und Privatleben: mit Robotern, aber auch Fahr- und Flugzeugen, die der rastlose Mechatroniker baut und in den Bergen seiner Wahlheimat testet. „Irgendwo in den Bergen eines meiner Flugzeuge steigen zu lassen, ist ein erhebendes Gefühl“, sagt Walter und erklärt auch, warum: „Ich habe so viele Ideen im Kopf, die ich realisieren möchte, und ein von mir konstruiertes Flugzeug neben diesen majestätischen Bergen fliegen zu sehen, gibt mir das Gefühl, alles schaffen zu können.“

Fact Sheet

Wissenschaft und Wirtschaft verbinden und durch angewandte Forschung Innovation schaffen: Das ist das Ziel von Fraunhofer Italia, einem Tochterunternehmen der Fraunhofer-Gesellschaft. Seit 2009 unterstützt das Bozner Institut lokale KMU bei ihren Forschungs- und Entwicklungsprojekten durch maßgeschneiderte Dienstleistungen im Bereich Industrie 4.0 für die Industrie, das Handwerk und den Bausektor.