Innovationen

28 November 2017JOHANNA ROELLECKE

Das Freie-Software-Biotop Südtirol lockt Talente aus aller Welt

Seit Jahren schon gilt die Provinz als kleine Hochburg für Open-Source-IT-Lösungen. Internationale Events wie die «South Tyrol Free Software Conference» (SFScon) und der «Vertical Innovation Hackathon» bestätigen das

Die «South Tyrol Free Software Conference» (SFScon) mit 26 international renommierten Speakern und 300 Teilnehmern, und zeitgleich der «Vertical Innovation Hackathon», der Ideen-Marathon, bei dem 80 Programmierer, Software Designer und Kreativköpfe in nur 24 Stunden 16 innovative IT-Projekte entwickelt haben: Zwei Tage lang, vom 10. bis zum 11. November 2017, stand Bozen im Scheinwerferlicht der Free-Software-Community mit hunderten von Besuchern aus ganz Europa. Aber seit langem schon gilt die Autonome Provinz als Hochburg der freien Software — sprich Lizenzen, die es erlauben, eine Software auszuführen, zu kopieren, zu verbreiten, zu untersuchen, zu ändern oder zu verbessern — und viele europäische Regionen schauen mit Bewunderung auf Südtirols engmaschiges Netzwerk an Usern und Unterstützern von Open -Source -Lösungen, angefangen von IT-Experten und Programmierern über Unternehmen bis hinzu Behörden und öffentlichen Institutionen. «Wir sind sehr zufrieden, dass die IT-und Free-Software-Szene in Südtirol stetig wächst und das unsere Initiativen von Jahr zu Jahr immer mehr Teilnehmer von außerhalb der Provinz anlocken» kommentiert Patrick Ohnewein, Koordinator des Ecosystems ICT & Automation von IDM und Verantwortlicher für die Organisation der beiden Events. Seit 2001 bietet SFScon Softwareentwicklern, Managern und öffentlichen Entscheidungsträgern die Gelegenheit, sich zum Thema freie Software auf den neusten Stand zu bringen. Gleichzeitig ist die internationale Konferenz eine Plattform für den Austausch von Best Practices zwischen Forschung und Industrie, und zwischen öffentlichem und privatem Sektor.

Südtirol, eine kleine Hochburg im Bereich Free Software

Aber bei der SFScon und beim «Vertical Innovation Hackathon» handelt es sich nicht um isolierte Maßnahmen. Im Gegenteil. Die beiden Initiativen sind wichtige Bestandteile in Südtirols globaler Strategie für wirtschaftliche Entwicklung.  Seit Jahren nämlich versucht die Provinz gezielt die breitflächige Nutzung von freier Software voranzutreiben, um Innovation zu fördern und Südtirols Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Im Jahre 2005 wurde entschieden, dass in Südtirol ein Free Software Center entstehen soll. Was folgte war eine Phase intensiver Sensibilisierungsarbeit und mit der Zeit konnten immer mehr lokale Unternehmen und Institutionen in Innovationsprojekte involviert werden, was diesen wiederum ermöglichte, Kompetenzen im Bereich Free Software zu erwerben. So ist in der Provinz dann nach und nach ein richtiges Open-Source -Biotop entstanden. Heute ist Südtirol nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa Bezugspunkt und Musterbeispiel für die erfolgreiche Migration auf Free Software. «Südtirols Unternehmen müssen flexibel und offen sein, wenn sie mit den technologischen Entwicklungen Schritt halten und am Markt innovative Dienstleistungen und Produkte anbieten wollen — betont Hubert Hofer, Leiter der Abteilung Development von IDM — . Nur so können sie Talente aus dem Informatikbereich anziehen, die den gemeinsamen Austausch von Daten und Technologien schätzen».

Wettbewerbsfähig dank Open Source

Von Danese Cooper (PayPal) und Brian Exelbierd (Red Hat), hinzu Simon Phipps, einer der Gründer des Java Technology Centers von IBM und Vorsitzender der Open Source Initiative (OSI): bei der SFScon 2017 in Bozen haben insgesamt 26 internationale Speaker —von Softwareentwicklern bis hin zu Managern und Entscheidungsträgern im öffentlichen Sektor — eine Bestandsaufnahme zum Thema Free Software vorgenommen. Aber das war nicht alles. Die Konferenz dient seit jeher auch als Gelegenheit, um die Trends der kommenden Jahre zu besprechen. Natürlich fehlte es auch bei der diesjährigen Ausgabe von SFScon nicht an offenen Diskussionsrunden und Workshops. Denn das Vernetzen von Usern und Entwicklern und das Zustandekommen von Synergien sind zentrale Elemente des Open Source –Gedankens: «Mit Events wie der SFScon und Top Referenten wie Danese Cooper — so Hofer —  will IDM die heimische Szene der Kreativen und Entwickler inspirieren und zum Treff und Austausch einladen. Nur aus einer lebendigen Szene entwickeln sich die künftigen IT-Experten unserer Unternehmen».

Der Free Software Award

Ein zentraler Punkt auf dem Programm der SFScon war auch die Verleihung des Free Software Awards. Diese Auszeichnung geht jedes Jahr an eine Südtiroler Persönlichkeit, die sich bei der Anwendung und Verbreitung freier Software besonders hervorgetan hat. Dieses Jahr ging der Preis an die Brüder Dietrich und Reinhold Pescoller und überreicht wurde er von der Linux User Group Bolzano-Bozen-Bulsan. «Die Brüder Pescoller — so Patrick Ohnewein — haben die Jury überzeugt, weil die Basis ihrer Kompetenzen und Entscheidungen die freie Software ist. Sie nehmen aktiv an der Südtiroler Free-Software-Szene teil, und verbreiten die Prinzipien der freien Software, indem sie die Digitalisierung der KMU unterstützen und Informatik-Technologien mit Handwerk verbinden».

Von der Theorie zur Praxis

Während man auf der SFScon angeregt diskutierte, war der «Vertical Innovation Hackathon» die perfekte Gelegenheit, die Theorie in die Tat umzusetzen. Der Ideen-Marathon fand nämlich zeitgleich und in unmittelbarer Nähe der Free -Software - Konferenz statt, am 10. und 11. November 2017 im Noi Techpark in Bozen. In nur 24 Stunden haben 80 Erfinder, Kreativköpfe, Entwickler, Designer, künftige oder bereits etablierte Unternehmer und Data Experts gemeinsam insgesamt 16 nachhaltige und innovative IT-Lösungen entwickelt.

In keiner der vorangegangenen  Ausgaben des Hackathons wurden so viele Projekte vorgestellt wie in diesem Jahr. Ein echter Rekord also, der zeigt, dass die IT- Szene in Südtirol stetig wächst.

Fact Sheet

Die Preise

Zu gewinnen gab es fünf Preise — alle an ein anderes Thema und an spezielle Kriterien gebunden — die jeweils von den Investoren der Tyrolean Business Angels, der Stiftung Südtiroler Sparkasse, dem Projekt Interreg V-A, so wie vom Südtiroler Unternehmen Systems gesponsert wurden. Die begehrte Reise nach San Francisco, ins Silicon Valley, um dort die IT- Experten namhafter Firmen zu treffen, ging an das Projekt «Bear Savings». Mit der App können User, jedes Mal wenn sie online «unnachhaltige» Produkte oder Dienstleistungen kaufen, automatisch einen bestimmten Anteil des Preises in «Green Fonds» investieren. Und natürlich — ganz im Sinne der Open-Source-Philosophie — wurden die Quellcodes und Präsentationen der 16 beim Hackathon entwickelten IT-Projekte auf eine für alle und jeden zugängliche Onlineplattform gestellt.

Über die SFScon

Die SFScon 2017 wurde im Rahmen des europäischen FESR-Projekts DaVinci organisiert und von den Südtiroler Unternehmen 1006.org, brandnamic, Davide Montesin, Made In Cima, Peer, QBUS, R3 GIS und Telmekom unterstützt. Der «Vertical Innovation Hackathon» ist eine Initiative von IDM Südtirol - Alto Adige in Zusammenarbeit mit Stiftung Südtiroler Sparkasse.