Talente

26 September 2018Tiziano Pandolfi

Von Venetien nach Südtirol, um Innovation anzukurbeln (und sich selbst zu verwirklichen)

Die Geschichte von Luisa Marangon aus Cittadella. In Südtirol kann die junge Italienerin ihre Leidenschaft für Sprachen und Kreativität ausleben. Zur Geltung kommen ihre Fähigkeiten bei der Standortmarketing-Agentur IDM

Blond, grüne Augen, perfektes Deutsch: Wer Luisa in den Gängen des NOI Techpark im Süden Bozens trifft, würde auf einen Südtiroler Stammbaum tippen. Und doch: Luisa ist in Cittadella geboren und erst seit acht Jahren in Südtirol zuhause. Stellt sich die Frage: Warum verschlägt es eine 20-Jährige aus der Provinz Padua nach Südtirol? Die Antwort ist einfach: es ist die Faszination für Sprachen, insbesondere die deutsche, die Luisa in der Oberschule entdeckt hat, und die sie an die dreisprachige Freie Universität Bozen bringt.

Es ist eine für sie unmittelbare, fast natürliche Entscheidung und trotzdem: das neue Abenteuer verlangt der jungen Frau einiges ab, schließlich krempelt man sein ganzes Leben nicht problemlos um. In Herausforderungen sieht Luisa aber auch immer eine Chance und selbst im Job, mit dem sie sich ihr Studium finanziert, erkennt sie die Gelegenheit, die größeren und kleineren Unterschiede zwischen den Südtiroler Dialekten zu studieren.

„Hier hatte ich beruflich gleich mehrere interessante Möglichkeiten in verschiedenen Sektoren“

Diese Einstellung erlaubt es ihr, ihr Studium der Kommunikationswissenschaft und des Kulturmanagements an der bildungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Bozen in Brixen erfolgreich abzuschließen. Und sie erlaubt ihr auch, sofort nach dem Studium beruflich Fuß zu fassen: „Ich hatte gleich mehrere interessante Möglichkeiten in verschiedenen Sektoren“, erzählt Luisa, „und so hatte ich die Chance, in der Praxis herauszufinden, was mir wirklich gefallen würde und was ich im Leben machen wollte“.


Ihre Faszination für Sprache und Design und ihr Studium führen sie schließlich in die Abteilung Development bei IDM Südtirol. „Hier habe ich wirklich meinen Weg gefunden”, so Luisa. Bei der Standortmarketing-Agentur IDM hat sie eine ganze Reihe von Projekten zu betreuen. So begleitet sie Innovations-Projekte der EU, in denen es um die Schaffung von Clustern geht, um die Entwicklung der Kreativwirtschaft oder um Netzwerke heimischer Freiberufler, sie führt Arbeitsgruppen mit Unternehmen und Behörden, betreut Coworking-Projekte („Startbase“) und organisiert Tagungen zu Themen, die für die Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft von strategischer Bedeutung sind.

„Hier hat niemand Angst, Fehler zu machen, und jeder Lust zu reden und sich in verschiedenen Sprachen auszudrücken“

Zudem kann sie hier auch ihre Faszination für Sprachen ausleben, arbeiten in ihrem Team doch vier Frauen, die allesamt eine andere Sprache bevorzugen. Eine Hürde erkennt Luisa darin nicht, denn in Südtirol gebe es einen pragmatischen Zugang zum Thema Kommunikation: „Hier hat niemand Angst, Fehler zu machen, und jeder Lust zu reden, sich in verschiedenen Sprachen auszudrücken und von einer zur anderen zu wechseln – ganz ohne Zögern“, sagt Luisa. Das Ergebnis sei kein babylonisches Sprachengewirr, sondern eine klarere Kommunikation: „Ein grammatikalischer Zweifel bremst hier niemanden, vielmehr versuchen alle, sich mit mehr Phantasie und viel persönlicher auszudrücken“, erklärt sie, „So kommt man der Ursprungsidee näher, die man im Kopf hat.“

„Am liebsten spaziere ich zur Haselburg oberhalb von Bozen. Schon der Weg dorthin hat etwas Märchenhaftes“

An Luisa merkt man zudem: Wer sich für Sprachen und Kommunikation interessiert, interessiert sich auch für die Menschen dahinter: „In meiner Freizeit unternehme ich am liebsten etwas mit meinen Freunden“, erzählt sie. Schon an der Uni hat sie eine ganze Menge Freundschaften geschlossen, über die Jahre ist ihr Netzwerk noch gewachsen. „Wir unternehmen viel zusammen und meine Freunde wissen, dass ich immer mit von der Partie bin, wenn ich nicht gerade unterwegs bin.“

Das Leben in der Stadt kommt einem so kommunikativen Menschen natürlich entgegen, auch wenn Luisa dem Rummel so manches Mal ein gemütliches Abendessen zuhause vorzieht – mit Freunden, versteht sich. Zudem färben auch die nahen Berge auf die Frau aus der Ebene ab: „Am liebsten spaziere ich zur Haselburg oberhalb von Bozen“, erzählt Luisa. „Schon der Weg dorthin hat etwas Märchenhaftes.“ Ein Glück, dass ihr Lieblingsort nicht weit von ihrem Arbeitsplatz entfernt ist, so kann Luisa ihren Abstecher ins Märchenland fast jeden Tag machen – „vor oder nach der Arbeit, je nach Jahreszeit“, sagt sie. Das Spazierengehen helfe, zu regenerieren und das Hirn zu lüften. „Keine Ahnung, ob das mit den Bäumen oder der guten Luft zu tun hat“, sagt Luisa.

„Die Zukunft Südtirols ist auch die meine“

So geerdet leistet sich Luisa auch ein zweites, ein digitales Leben. Sie nutzt die sozialen Netzwerke, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben, um zu kommunizieren und in einem Blog zu erzählen, wie es einer jungen Frau ergeht, die beschlossen hat, in Südtirol zu leben. „Ich liebe es, mit Worten und Bildern von mir und meinem Leben zu erzählen“, erzählt sie, „schließlich habe ich eine kreative Seele.“

Und eine pragmatische, die sich bei der Arbeit an Projekten zeigt, die die Entwicklung Südtirols als innovativer und inspirierender Standort für Unternehmen aus der Kreativwirtschaft vorantreibt. „Meine Arbeit ermöglicht es mir, meinen Horizont zu erweitern und mich mit verschiedensten Menschen auseinanderzusetzen, von denen ich immer etwas lernen kann“, erklärt die Wahlsüdtirolerin. Darin liege der Schlüssel für die Entwicklung als Mensch, aber auch für die Entwicklung einer Region. „Schließlich“, sagt Luisa, „ist die Zukunft Südtirols auch die meine.“

Fact Sheet

Hier lebt Luisa

Bozen zieht dank seiner beiden unterschiedlichen Facetten – eine nordeuropäisch geprägt, die andere eher mediterran – Gäste aus aller Herren Länder in seinen Bann. Die beiden Gesichter dieser Stadt gehen hier eine perfekte Verbindung ein, die in den kunsthistorisch bedeutsamen Sehenswürdigkeiten bestens zum Ausdruck kommt.

Jahrhundertelang war Bozen ein wichtiges Handelszentrum zwischen Italien und Deutschland.

Heute ist Südtirols Hauptstadt eine Weltstadt, die sich gleichzeitig lebendig, fröhlich, weltoffen, modern und traditionsverbunden zu zeigen weiß.

Bozen bietet ein ausgewogenes Stadtbild aus Wohn- und Grünflächen. Auf einer Vielzahl von Wegen lassen sich in Zentrumsnähe schöne Spaziergänge unternehmen und gleichzeitig können ambitioniertere Wanderer auch mit einer der drei Bergbahnen auf die rings um die Stadt gelegenen Hochebenen fahren. Die Naturkulisse ist hier einzigartig